Herrenjournal 540

Das Herrenjournal – Das deutsche Magazin für elegante Herren

Wenn heute von tollen Modezeichnungen für Herren und Bekleidungsmagazine der 1920er und 1930er Jahre die Rede ist, dann fällt häufig der Name Apparel Arts und Esquire. Diese amerikanischen Herrenmagazine enthalten in der Tat viele tolle Zeichnungen, Hinweise zur Kleideretikette, Fotos und manchmal sogar Stoffmuster.

Herrenjournal 1950 Cover

Herrenjournal 1950 Cover

Nicht zuletzt deshalb sind sie in der Tat sehr gefragt und erzielen bei Onlineauktionen durchaus Preise von bis zu $400 je Ausgabe!

Dagegen scheint das, von seiner Gründung 1927 bis zur Einstellung 1987 führende Deutsche Magazin im Bereich der Herrenkleidung – das Herrenjournal kaum jemals genannt zu werden. Diesem Misstand wollen wir heute Abhilfe schaffen indem wir Ihnen das Herrenjournal näher vorstellen.

Die Anfänge des Herrenjournal – Der Modediktator

Der Modediktator

Der Modediktator

Die Idee für eine deutsches Modemagazin für Herren entstand in den goldenen zwanziger Jahren in Berlin. Modeinteressierte Herren und Dandys trafen sich regelmäßig in der Bar des Eden Hotel in der Budapester Straße 35  sowie in der Bar des Excelsior Hotel am Anhalter Bahnhof, welcher sich damals am Askanischen Platz in der Nähe des Potsdamer Platzes befand. Federführend war dabei Baron von Eelking, welchen wir Ihnen bereits in unserer Serie Stilvolle Gentlemen näher vorgestellt haben. Er vermochte es, Gleichgesinnte und seine Freunde in der Berliner Konfektionsbranche zu überreden der Herrenmode ein Magazin zu widmen und so wurde schon 1927 „Der Modediktator“ mit dem Untertitel: “Die Zeitschrift für den gut angezogenen Herrn und alle seine Lieferanten“ im Verlag Preussische Verlagsanstalt herausgebracht.

Zentralamt für Herrenmode und Der Modediktator

Herrenjournal Stoffmuster

Herrenjournal Stoffmuster

Nur ein Jahr später sollte Baron von Eelking auch die Vereinigung Zentralamt für Herrenmode (später Deutsches Institut für Herrenmode ) ins Leben rufen, welches als erste Organisation überhaupt auf das modische Zusammenspiel der verschiedenen

Bekleidungshersteller abzielte. Im Jahr darauf schrieb von Eelking:“Immer mehr und mehr setzt sicher mit außerordentlicher Passion die gesamte für sie tätige Industrie ein, fortwährend auf der Suche an neuen Einfällen oder Andacht, die Qualität weiter zu heben. Auf der anderen Seite steigert sich auch den Herren selbst das Verständnis für alle Garderobenfragen und der Wunsche, sich so korrekt wir möglich anzuziehen. Da ist es denn entschieden an der Zeit, daß die Herrenmode ein eigenes Organ erhält. Dieses Organ wird nun ‘Der Modediktator‘ sein.“Ab 1929 wurde daher Der Modediktator zum Organ des Deutschen Instituts für Herrenmode. Fortan beinflusste dieses Magazin die Herrenmode nicht nur in Deutschland sondern auch im Ausland in erheblichem Maße.

Das Herrenjournal

Herrenjournal 1935 Cover

Herrenjournal 1935 Cover

1930 stellte von Eelking dann fest:“ Die Entwicklung, die der „Modediktator” in drei Jahren genommen, das Interesse, das er überall in der Herrenwelt gefunden und die zahlreichen Wünsche, mit denen unsere Leser inzwischen an uns herangetreten, geben uns nun doch Anlaß, die Tendenz der Zeitschrift etwas zu ändern. Wohl soll auch die Mode weiterhin im Vordergrund stehen, aber das Alleinrecht wird sie nicht mehr haben. Zwischen Mode und feiner Lebenskultur liegen so viele Berührungspunkte, die sich auf die Dauer nicht verleugnen lassen. Bei der in Aussicht genommenen Vielseitigkeit der Zeitschrift rechtfertigt sich nun aber auch der Titel „Modediktator” nicht mehr. Hin und her haben wir jongliert, bis dann alle Paten sich auf „Herrenjournal” geeinigt haben.“ Ab dem 1. Januar 1931 (4. Jahrgang) hieß Der Modediktator also nun Herrenjournal, wobei der Untertitel nun “Eine Zeitschrift für Mode, Gesellschaft und die angenehmen Dinge des Lebens” lautete. In dieser Aufmachung erschien das Herrenjournal nun monatlich bis Oktober 1941, als im Zuge der Kriegswirtschaft jegliche Zeitschriften eingestellt wurden. Die Ausgaben während des Krieges waren jedoch in ihrem Umfang stark eingeschränkt.

In allen Jahrgängen richteten sich die Artikel auf die Herrenmode, welche durch Reportagen zu den Themen Sport, gesellschaftliches Leben, Literatur und Kunst ergänzt wurden. Im Jahr 1933 ließ sich dann jedoch eine deutliche Anpassung an das herrschende Regime ausmachen, sodass oft auch über parteikonforme Herrenkleidung berichtet wird. Interessanterweise scheint das Herrenjournal gegen Ende 1933 von dieser politischen Linie abzukommen. Bis Mitte 1939 wurden amerikanische Filmstars und ausländische Modeschöpfer portraitiert. Zudem gab es Bildunterschriften in Englisch und Französisch sowie Berichte über Trachtenmode, Malerei der deutschen Kunstausstellung oder Uniformen.

Das Herrenjournal nach dem Zweiten Weltkrieg

Herrenjournal Modezeichnung

Herrenjournal Modezeichnung

Nach dem Zweiten Weltkrieg erschien das Herrenjournal ab dem 1. Januar 1950 im Walter-Matthess Verlag München, welcher aber schon kurze Zeit später nach Berlin verlegt wurde. In den ersten Jahren spielte die Herrenmode ganz klar die Hauptrolle, wobei im Laufe der Zeit auch immer mehr andere Themen hinzu kamen. Das Niveau des Herrenjournal hinsichtlich der Kleidung war bis dahin stets sehr hoch angesiedelt und so wurden z.B. jede Saison die feinen Unterschiede in der Frackmode vorgestellt oder lebhaft über die geeignete Hosenweite diskutiert. In einem Leserbrief wurde einmal die Korrespondenz zwischen dem Leser und dem damaligen

Bundespräsidenten Theodor Heuss abgedruckt. Der Leser empörte sich darüber, dass ein Mann in so einer verantwortungsvollen Situation zum Frack eine Armbanduhr trug!

Was die Modezeichnungen anbelangt, so fand man im Herrenjournal zahlreiche exzellente Zeichnungen von Bekanntheiten wie Lang, Grimm oder Lawrence.

Der inhaltliche Höhepunkt des Herrenjournal war wohl gegen Ende der 50er Jahre erreicht. Eelking blieb bis 1965 der alleinige Journalist im Bereich Herrenmode und bis zu seinem Tode 1970 der Herausgeber des Herrenjournals. Wenn man sich klar macht, dass eine einzelne Person nahezu jeden Beitrag in einer monatlich erscheinenden Zeitschrift verfasst hat, so wird einem erst bewusst, welche Leistung  Baron von Eelking im Hinblick auf die Herrenmode vollbracht hat.

Nachdem von Eelking beim Herrenjournal kürzer trat, sank auch die Qualität der Beiträge und das Magazin der feinen Lebensart wurde nun wieder zu einer reinen Mode(fach)zeitschrift. In der Folge sanken die Leserzahlen stetig, sodass das Herrenjournal im Februar 1987 – über 60 Jahre nach seinem Erscheinen  – eingestellt wurde. Obwohl das Herrenjournal am Ende nichts mehr mit den Visionen der Berliner Dandys und Beaus aus der Berliner Eden Bar zu tun hatte, war und bleibt das Herrenjournal bis heute das langlebigste deutschsprchige Magazin für Herrenmode.

Das Herrenjournal von 1935 wurde uns dankeswerterweise von einem aufmerksamen Leser zur Verfügung gestellt. Sollten auch Sie Informationen oder Dinge haben, die für uns von Interesse sein könnten, so zögern Sie bitte nicht uns zu kontaktieren. Wie freuen uns auf Ihre Nachricht!

 

 

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  1. [...] Dahle von der Vegesacker Firma Karl Kass immer die Fachzeitschriften wie zum Beispiel das ➱Herrenjournal lieh (oder manchmal auch schenkte). Im Herrenjournal der damaligen Zeit spielte allerdings die [...]

  2. [...] Zeichnungen stammen aus einem Herrenjournal der 60er Jahre, welches auch © Inhaber ist. [Zeige als Diashow] [Mit PicLens anzeigen] [...]

  3. [...] mit schönen Modezeichnungen versehen sind, wie man sie aus den Zeitschriften Apparel Arts oder dem Herrenjournal [...]

  4. [...] Gazette ein paar Sommeroutfits aus der Apparel Arts von 1935 vorstellen. Genau wie das Herrenjournal, wartete Apparel Arts stets mit tollen Modezeichnungen auf, welche meist sehr detaillreich waren [...]

  5. [...] Der Gründer des Deutschen Instituts für Herrenmode und der Herausgeber der Zeitschrift das Herrenjournal verfasste zahlreiche Bücher zum Thema Kleidung und setzte sich zeitlebens mit dem Thema der [...]

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