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Frack vor 18 Uhr ?
24-06-2010, 16:06
Beitrag: #1
Frack vor 18 Uhr ?
Letztes Wochenende fand in Schweden die Hochzeit von Kronprinzessin von Schweden mit Daniel Wieland statt. Gerade bei den Herren sah man einige Uniformen und Fräcke. Manchen mag das verwundert haben, denn man trug diese schon weit vor 6 Uhr - am hellichten Tag. Nun könnte man meinen, dass man dadurch gegen die Etikette verstieß, jedoch gilt in diesem Fall zu bedenken, dass anschließend ein Bankett stattfand ohne dass es vorher die Möglichkeit gab sich umzuziehen. In einem solchen Fall ist es absolut korrekt, den Frack auch schon früher zu tragen.
Abgesehen davon ist es auch korrekt den Frack zu tragen, wenn man beispielsweise Feierlichkeiten in geschlossenen Räumen schon um 15 oder 16 Uhr beginnen und nahtlos in den Abend übergehen.

Auffallend erschien mir dagegen das Hemd des Bräutigams. Gerade auf diesem Foto ist anhand der Falten sehr gut zu erkennen, dass die Hemdfront nicht gestärkt wurde, normalerweise ist dies Pflicht und sieht auch besser aus.

Die zweireihige West zum Frack finde ich an sich sehr gut, nur schaute Daniel Westlings Weste zu weit und nicht bündig unter dem Frack hervor was in meinen Augen etwas unvorteilhaft aussah.

Was halten Sie von dem Outfit?
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25-06-2010, 6:59
Beitrag: #2
RE: Frack vor 18 Uhr ?
Moin!

Ich fands ok. Ich zwar anfangs verwirrt, warum schon Frack getragen wurde, die Frage hatte sich aber schnell geklärt. Ich sach: Es sah gut bei ihm, aus Details kann man vernachlässigen. Hauptsache, die beiden sind glücklich, sag ich mal! Smile
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25-06-2010, 15:47
Beitrag: #3
RE: Frack vor 18 Uhr ?
Auf mich wirkte der Bräutigam eher verkleidet... aber wie du schon sagst, was zählt ist, dass die beiden zusammen Glücklich werden, und dem Anschein nach steht dem nichts im Wege.

Auffallend fand ich auch, dass die weder die Queen mit Gemahl noch Prince Charles und Gattin dabei waren -Royal Ascot stand dem wohl im Wege...
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05-07-2010, 14:03 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05-07-2010 14:04 von ellivas.)
Beitrag: #4
RE: Frack vor 18 Uhr ?
Ein Frack vor 18:00 ist absolut korrekt, wenn auch ausserhalb des Hochadels und hochoffiziellen Staatsempfängen selten gesehen. Die Alternative wäre ein Cut. Die englische Bezeichnung für einen "Cut" ist "Morning Suit" und sollte, wenn man es protokollarisch ganz genau nimmt, auch nur am Vormittag getragen werden.
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05-07-2010, 17:09
Beitrag: #5
RE: Frack vor 18 Uhr ?
(05-07-2010 14:03)ellivas schrieb:  Ein Frack vor 18:00 ist absolut korrekt, wenn auch ausserhalb des Hochadels und hochoffiziellen Staatsempfängen selten gesehen. Die Alternative wäre ein Cut. Die englische Bezeichnung für einen "Cut" ist "Morning Suit" und sollte, wenn man es protokollarisch ganz genau nimmt, auch nur am Vormittag getragen werden.

Lieber ellivas,

Zuchnächst einmal willkommen im Forum! Ab dem späten Nachmittag ist ein Frack in meinen Augen nicht fehl am Platze - erst recht, wenn die Ferilichkeiten in geschlossenen Räumen und nicht unter freiem Himmel stattfinden.
Der Cutaway oder auch Cut wird in der Tat morning coat oder morning suit benannt, wobei bei letzterem impliziert wird, dass Beinkleid, Weste und Cut aus dem selben Tuch gearbeitet sind.
Davon ausgehend, könnte man meinen dass dieses Kleidungsstück getragen werden sollte, wenn die Veranstaltung am Vormittag beginnt. Die gesamte Gattung wird jedoch auch in englischen als Formal Day Wear deklariert, wo zumindest auch der frühe Nachmittag darunter fällt.
Im Deutschland der 50er und 60er Jahre war es bei den Cut trägern durchaus üblich - den Cut auch bei Veranstaltungen zu tragen welche erst am Nachmittag begannen, z.B. bei der Trauung um 15 Uhr.
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05-07-2010, 18:21 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05-07-2010 18:24 von ellivas.)
Beitrag: #6
RE: Frack vor 18 Uhr ?
Lieber le.gentleman,
danke sehr, ich freue mich, dass ich dieses Forum gefunden habe! Das mit dem Cut ist interessant. Ich bin bislang immer davon ausgegangen, dass er zu feierlichen Anlässen getragen wird, die vormittags beginnen. Da es aber nicht immer praktikabel ist sich mehrfach am Tag umzuziehen, darf er durchaus bis in den Nachmittag hinein getragen werden.

Danke für die Unterscheidung zwischen "Morning Suit" mit dem Beinkleid aus gleichem Tuch und einem "Morning Coat". Ersteres habe ich relativ selten gesehen, ausser bei Garden Parties und Royal Ascot (dann immer mit Zylinder). Ist Ihnen bekannt, ob er hierzulande zu Anlässen wie Trauungen und Beerdigungen, anstelle eines Morning Coats getragen wird? Zusammengefaßt: Kann man sagen, dass ein Frack tagsüber zu feierlichen Anlässen getragen werden kann, so lange diese vorwiegend in gechlossenen Räumen stattfinden und nachmittags beginnen. Ein Cut hingegen kann auch unter freien Himmel getragen werden und in erster Linie bei Anlässen die am Vormittag beginnen?
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07-07-2010, 2:55
Beitrag: #7
RE: Frack vor 18 Uhr ?
Schön, dass es Ihnen hier gefällt!

(05-07-2010 18:21)ellivas schrieb:  Ist Ihnen bekannt, ob er hierzulande zu Anlässen wie Trauungen und Beerdigungen, anstelle eines Morning Coats getragen wird?

In erster Linie richtet sich die Wahl der Kleidung nach dem persönlichen Geschmack, jedoch sollte man die Hauptpersonen der jeweiligen Veranstaltungen nicht außer acht lassen. Trägt der Bräutigam Anzug, so wäre ein morning suit oder coat unangebracht. Auf einer Hochzeit bei Cut getragen wird, wäre auch der morning suit korrekt.
Bei der Beerdigung eines bekennenden Dandys könnte man durchaus einen morning coat in anthrazit oder schwarz tragen, jedoch keinen hellgrauen morning suit.

Heute sieht man den morning suit in Deutschland nicht mehr. Selbst in den 20er und 30er Jahren des vorangegangenen Jahrhunderts wurde er nur vereinzelt auf eleganten Gartenparties sowie auf Rennbahnen gesichtet.

In England der Prince of Wales wohl das beste Beispiel für den morning suit:
[Bild: Morning%20suit%2001.jpg]
[Bild: Morning%20suit%2002.jpg]

(05-07-2010 18:21)ellivas schrieb:  Zusammengefaßt: Kann man sagen, dass ein Frack tagsüber zu feierlichen Anlässen getragen werden kann, so lange diese vorwiegend in gechlossenen Räumen stattfinden und nachmittags beginnen.
Ja.

(05-07-2010 18:21)ellivas schrieb:  Ein Cut hingegen kann auch unter freien Himmel getragen werden und in erster Linie bei Anlässen die am Vormittag beginnen?
Korrekt, wobei ich die Zeitspanne etwas ausdehnen würde und den Cut auch bei festlichen Veranstaltungen als korrekt ansehen, die am Nachmittag beginnen jedoch vor dem Abend enden.
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08-07-2010, 2:28
Beitrag: #8
RE: Frack vor 18 Uhr ?
"Bei der Beerdigung eines bekennenden Dandys könnte man durchaus einen morning coat in anthrazit oder schwarz tragen, jedoch keinen hellgrauen morning suit."

Dass ein hellgrauer Morning Suit zu einer Beerdigung unpassend ist dürfte hoffentlich jedem klar sein, da habe ich mich misverständlich ausgedrückt. Ein Cut oder "Morning Coat" (mit dunkler Weste) hingegen schon, und nicht nur bei einem bekennenden Dandy. Da, lieber le.gentlemen, sollten Sie sich besser informieren.

In der Tat, Ihre Erfahrungen decken sich mit meinen, ich besaß mal einen Morning Suit, trug ihn aber (wie meinen Zylinder) nie in Deutschland. "Völlig unüblich hierzulande alter Junge" wurde mir alsbald zugeraunt als ich dieses Ensemble zu einer Trauung das erste (und letzte) mal in Deutschland trug.

Ich bin übrigens nach wie vor der Meinung, dass ein Cut für Nachmittagsveranstaltungen grundsätzlich inkorrekt ist.
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08-07-2010, 21:23
Beitrag: #9
RE: Frack vor 18 Uhr ?
(08-07-2010 2:28)ellivas schrieb:  Dass ein hellgrauer Morning Suit zu einer Beerdigung unpassend ist dürfte hoffentlich jedem klar sein, da habe ich mich misverständlich ausgedrückt. Ein Cut oder "Morning Coat" (mit dunkler Weste) hingegen schon, und nicht nur bei einem bekennenden Dandy. Da, lieber le.gentlemen, sollten Sie sich besser informieren.
Lieber ellivas,

man darf ja durchaus unterschiedlicher Meinung sein. In Deutschland heute würde man m.E. bei den allermeisten Beerdigungen unvorteilhaft auffallen, wenn man einen morning coat mit dunkler Weste trüge.

Zu Beginn bis Mitte der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts bestand der Traueranzug in Deutschland noch aus einem geschlossenen Gehrock, schwarzer Weste und dunkel gestreiftem Beinkleid, Glanzzylinder, schwarzen oder grauen Handschuhen und Trauerflor.
Nachdem dann Edward VIII 1936 den Gehrock als offizielles Kleidungsstück bei Gericht durch den Cut ablöste. Verschwand der Gehrock auch in Deutschland quasi über Nacht.
In der Folge wurde es dann als korrekt angesehen bei einer Trauerfeier auch den Cut oder einen schwarzen Sakko samt Beiwerk zur Beerdigung anzuziehen.
Heute wäre man m.E. wie gesagt mit einem Cut bei Beerdigungen meist overdressed.

(08-07-2010 2:28)ellivas schrieb:  Ich bin übrigens nach wie vor der Meinung, dass ein Cut für Nachmittagsveranstaltungen grundsätzlich inkorrekt ist.

Für jeden Grundsatz gibt es zum Glück meist Ausnahmen Smile.
Sah man den Cut in den 20er Jahren in Deutschland sogar hin und wieder
auf Abendveranstaltungen, so wandelte sich dies schon bald, als man sich die Bezeichnung morning coat übersetzen lies. Trotzdem war noch in den 50er und 60er Jahren in Deutschland der Cut bzw. ein Stresemann das korrekte Kleidungsstück für offizielle Veranstaltungen am Tage - auch am Nachmittag.

(Quellen Deutsches Institut für Herrenmode, Baron von Eelking, Hubert Miketta - laut der Dissertation "Constructing the Male Consumer in Germany, 1920s to 1950s" waren diese beiden, die zwei einflussreichsten Herren in Kleidungsfragen in Deutschland zu dieser Zeit)
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23-07-2010, 10:32
Beitrag: #10
RE: Frack vor 18 Uhr ?
"Nachdem dann Edward VIII 1936 den Gehrock als offizielles Kleidungsstück bei Gericht durch den Cut ablöste. Verschwand der Gehrock auch in Deutschland quasi über Nacht."

Erstaunlich welchen Einfluss der Herzog von Windsor auf die Kleidungsetikette hatte. Er reichte selbst bis nach Deutschland in den Dreißigerjahren! Danke auch für Ihre interessanten Informationen! Es gibt ja einige Fotos von Adenauer im Cut (und ich meine auch mal im Stresemann?) aus den 50er Jahren. Ein weiteres gefällt mir besonders: es zeigt Adenauer beim Botscha spielen im Hochsommer mit heller (Leinen?) Hose und abgelegter Jacke. Mein Vater hatte auch eine umfangreiche Sammlung an hellen, leichten Sommeranzügen für die "Freizeit". O tempora, o mores! kann man nur sagen!
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