Ausgefallene Kombinationen für den Frühling

Heute möchten wir Ihnen den dritten Beitrag in unserer Reihe Frühlingsoutfits vorstellen. In Teil 1 widmeten wir uns dem Turfsakko und in Teil 2 dem blauen Anzug. In diesem Teil widmen wir uns nun drei ausgefalleneren Herrenanzügen.

Graue Anzüge & Braunes Beiwerk

Die erste Szene zeigt zwei Herren, von denen einer ein kleines Heftchen mit der Zahl 1939 in den Händen hält. Dies legt nahe, dass die Zeichnung die Kleidung darstellen sollte, wie sie in diesem Jahr auf der New Yorker Weltausstellung zu sehen sein würde. Beide Herren tragen jeweils einen Anzug in einem mittelgrauen Grundton, braune Schuhe, sowie einen Hut – beide eignen sich vortrefflich als Outfit auf dem Land sowie in der Stadt.

Der helle Kreidestreifenanzug

Der Herr links im Bild, trägt einen einreihigen Anzug aus leichtem Kammgarn mit weißen Kreidestreifen Anscheinend hat der Sakko drei Schließknöpfe und fallende Revers. Das Hemd ist blassgrau und hat einen weißen, gestärkten Kragen. Um den Hals trägt er eine gelbe Jacquard Krawatte mit eingewobenen braunroten Mustern. Der braune Hut passt ausgezeichnet zu seinen braunen Oxfordschuhen.

Der Anzug mit Überkaro

Zu unserer Rechten sehen wir einen Herrn in einem ebenfalls leichtgewichtigen Kammgarnanzug, welcher zwei große Überkaros in rotbraun sowie in senfgelb aufweist. Dieses Muster stammte ursprünglich aus England und wurde dort erstmalig durch Duke of Kent populär und schon bald darauf sah man es auch in den USA.

Genau wie bei unserem Herrn im blauen Anzug sitzt auch hier der Schließknopf ziemlich tief, wenngleich nicht ganz so tief wie oben, und auch die Taschenhöhe ist wieder auf die Knöpfe abgestimmt. Allerdings haben sie diesmal kleine Patten und außerdem eine Tickettasche. Des Weiteren sind die Revers etwas weiter und nicht ganz so lang wie beim blauen Anzug.

Apparel Arts empfiehlt den Anzug ohne Weste zu tragen. Der ein oder andere wird nun vielleicht denken: zum Zweireiher trägt man doch nie eine Weste! Auch wenn das heute in der Regel der Fall ist, so trug man damals auch zum Zweireiher Westen. Angesichts der Jahreszeit und der leichten Stoffe wäre es jedoch kontraproduktiv eine zusätzliche Lage an Stoff anzulegen. Ende der 30er Jahre begann jedenfalls der Trend, die Weste wegzulassen. Dies hat sich bis heute fortgesetzt: auch im Winter sieht man nur noch ganz wenige Herren, die eine Weste zum Anzug tragen – egal ob diese nun einreihig oder, noch seltener, zweireihig ist.

Die Hosen sind nicht mehr ganz so voll geschnitten wie noch beim blauen Anzug und haben eine Saumweite von knapp 23 cm, was für damalige Verhältnisse eng war. Diese Zusammenstellung wird von einem blassgelben Hemd sowie einer gestreiften Repp Krawatte und  braunen Monk Schuhen aus angerauhtem Leder vervollständigt. Auf dem Kopf trägt er einen leicht hellgrünen Paddock Hut, welcher damals als idealer Begleiter eines Town & Country Anzuges galt.

Leider scheuen sich heute viele Herren karierte Anzüge zu tragen. In meinen Augen ist das überaus bedauerlich, bieten diese Anzüge doch den Vorteil, nicht zu formell zu wirken, ohne dabei jedoch informell zu sein – schließlich handelt es sich nach wie vor um einen Anzug und nicht um eine Kombination. Denken Sie also das nächtes Mal beim Anzugkauf über einen Karierten nach – wenn Sie  individuellen Outfits nicht abgeneigt sind, finden Sie dafür wohl kaum eine bessere Basis als beim karierten Anzug.

Der vielseitige Anzug im Hahnentritt Dessin

Als nächstes möchten wir einen Blick auf ein Unioutfit werfen, welches in der Apparel Arts 1939 gezeigt wurde.

Der Student trägt hier einen einreihigen Anzug in einem weiß-braunen Hahnentrittmuster aus Shetland Wolle. Diese Wolle verdankt ihren Namen den Schafen auf den Shetland Islands, welche dafür bekannt sind, robuste Wolle zu liefern. In der Regel hat ein Shetland Stoff einen weichen, leicht haarigen Griff, der dem eines Flanellstoff ähnelt.

Damals waren diese Shetlandstoffe zunächst in Fischgart sowie Köpermusterungen beliebt. Ende der 30er Jahre wurde jedoch das Hahentrittmuster schnell sehr populär. Für Studenten war ein solcher Anzug aus Shetlandwolle ideal, da er sehr lange hielt und man den Sakko vorzüglich mit anderen Hosen aus Flanell oder Gabardine kombinieren konnte. Auf diese Weise konnte man also auch mit kleinem Geld und einem Basisanzug zu vielen Gelegenheiten passend gekleidet erscheinen. Das interessanteste Detail an diesem Outfit ist jedoch die Weste. Sie wurde aus braunem Samt gefertigt und durch Messingknöpfe ergänzt. Zwar kam diese Mode wiederum erstmals in England-, genauer gesagt in Oxford, auf aber schon bald sah man diese Westen auch in den USA. Dazu wurde ein blassgraues Hemd mit Buttondownkragen und ebenfalls brauner Samtkrawatte getragen. Letztere kamen ebenfalls erstmalig in Oxford und Cambridge auf, schwappten dann aber schon bald über den großen Teich. Das andere nenneswerte Detail sind die braunen Schuhe im Haferl-Stil, welche seitlich geschnürt wurden, was gerade für die USA sehr außergewöhnlich war. Bei soviel braun freut sich das Auge dann doch über die Akzente des roten Einstecktuchs aus Seidenfoulard sowie des grünen Hutes.

Auch heute wären Sie mit einem Hahentrittanzug in beige-braun bestens beraten, da er nach wie vor sehr vielseitig kombiniert werden kann, vor allem mit unifarbenen, dunklen Hosen. Deshalb ist dies wohl ein idealer Anzug für alle Studenten, die auf sparsamem Fuß leben müssen.