Clothes and The Man

Buchbesprechung: Clothes and the Man – Sydney Barney

Schon 35 Jahre bevor Alan Flusser in den USA das Buch mit dem Titel Clothes and the Man herausbrachte, schrieb der Brite Sydney D. Barney ein gleichnamiges Buch. Die Geschichte wie es zu dem Buch des Kleidungsexperten aus dem Londoner Westend kam, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

Eines Tages kam ein in Großbritannien weitläufig bekannter Radiomoderator zu Barney und erzähltediesem, dass er kürzlich in einem Laden das Gespräch von zwei Damen überhörte. Die eine sagte:“ Look, there’s XYZ sitting over there” darauf erwiderte die andere:”It can’t be, he’s not dressed well enough!”. Wohl etwas gekränkt suchte der Moderator daraufhin bei Barney Rat hinsichtlich seiner Kleidung. Deshalb fing Barney an, allerlei Notizen mit Ratschlägen zu machen, bis sein ganzer Schreibtisch damit voll war. Nachdem auch andere an den Notizen gefallen fanden, entschloss er sich, die gesammelten Ratschläge in einem Buch zu veröffentlichen.

Das Werk umfasst 124 Seiten und ist in acht Kapitel gegliedert, welche von “What should I wear and what should I spend?” über “Choosing a tailor” und “Choosing the clothes” bis zu“Care of clothes” und “Glossary of materials” reichen.

Anfangs weißt der Autor darauf hin, dass sich jeder Herr zunächst einmal gedanken darüber machen müsse, wie er denn nun gerne aussehen möchte – eher wie ein English Gentleman, wie ein Durchschnittsbürger oder eher praktisch… um gut gekleidet zu sein. Außerdem empfiehlt er auf die Qualität der Kleidung zu achten, und weißt auf stilistische Entwicklungen sowie nationale Unterschiede bei der Kleidung hin. Im weiteren widment er sich dann dem Bespokeprozess, spricht über die Kosten und vergleicht die Maßschneiderei mit Konfektionskleidung. Genau wie Flusser, gibt er Kleidungstips für kleine, große und untersetze… Männer. Darüber hinaus gibt er wertvolle Hinweise für Anproben, z.B. erklärt we wie man stehen bzw. sitzen soll oder dass man vom Spiegel weiter weg stehen sollte um die richtige Sakkolänge zu beurteilen…Tips zur Anprobe von Sakko, Weste und Hose werden dabei getrennt erläutert.

Im nächsten Kapitel spricht er dann kurz über die Wichtigkeit des Charakters  der Kleidung – damit meint er, dass z.B. eine reinseidene Krawatte in der Regel nicht gut mit einem Harris Tweed Anzug harmoniert. Auch die Balance spricht er an, worunter er die Ausgewogenheit der Qualität zwischen den Kleidungsstücken wie Hemd, Anzug, Hose Schuhe etc. versteht.

Weiterhin gibt es eine ausführliche Bindeanleitung für Schleifen und Fliegen (auch für die Schleife mit nur einem Ende) sowie für den Hunting Stock. Ähnlich wie Storey listet er in der Folge alle möglichen Accessoires auf wobei er es nicht bei einer Nennung belässt, sondern auch gleich die Größensysteme miterklärt. Das ist in meinen Augen sehr hilfreich, da auch das hochwertigste Accessoire unvorteilhaft aussieht, wenn es die falsche Größe hat.

Der „ WHAT TO WEAR“ Teil dieses Buches ist sehr detailliert geschrieben, umfasst ein sehr großes Spektrum und deckt z.B. Royal Functions, Livery Company Functions, Abendkleidung, formelle Tageskleidung, Auszeichnungn, Wearing of Orders, Miniature Decorations and Medals with Full Evening Dress, Kleidung auf dem Land, Sportkleidung,Reisekleidun usw. ab. Während die Ausführungen über die Abendkleidung und die formelle Tageskleidung auch noch heute relevant sind, wird ein Großteil des Restes für heutige Herren wohl gänzlich unbedeutend sein. Z.B. wird es wohl nur die wenigsten interessieren, wie ein Commander des Royal Viktoria Orden seine Abzeichen an der Kleidung anbringen sollte.

Das anschließende Kapitel über Kleiderpflege verrät nicht viel neues, dagegen ist das Textilglossar am Ende des Buches sehr übersichtlich gehalten und aufs Wesentliche reduziert, wobei Einzelheiten zu Fasern, Mustern und Webarten in der Herrenkleidung gut erklärt werden.

Im Gesamten handelt es sich bei Barneys Clothes and the Man um eine guten, wenn auch an manchen stellen veralteten Ratgeber in Sachen Herrenkleidung, der sich an Kleidungsinteressierte richtet. Die sich durch das ganze Buch ziehenden, erheiternden Sketche  des Autors tragen sicher auch dazu bei die Materie nicht langweilig wirken zu lassen. Leider ist es nicht einfach ein Exemplar dieses Büchleins zu erstehen. Hin und wieder taucht ein Exemplar bei eBay, Amazon or Abebooks auf und mit ein bißchen Glück finden Sie in einem englischen Antiquariat ein preisgünstiges Exemplar.

Buchdetails:

Clothes and the Man – A guide to correct dress for all occasions von Sidney D. Barney, Sir Isaac Pitman & Sons LTD – Tailor & Cutter, 1951

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