Baron von Eelking

Baron von Eelking – ein Leben für die Herrenmode

Aus unserer Reihe Stilvolle Gentlemen möchten wir Ihnen heute Baron von Eelking vorstellen. Wenn man sich mit der deutschen Herrenmode des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt, so stößt man unausweichlich auf Baron Hermann-Marten von Eelking. Der Gründer des Deutschen Instituts für Herrenmode und der Herausgeber der Zeitschrift das Herrenjournal verfasste zahlreiche Bücher zum Thema Kleidung und setzte sich zeitlebens mit dem Thema der Herrenmode auseinander. Im folgenden möchten wir Ihnen heute die Person Baron von Eelking vorstellen.

Die Anfänge des Baron von Eelking

Baron von Eelking 1920er Strand
Baron von Eelking 1920er Strand

Am 1. Januar 1887 wurde er als Hermann Marten Martini August Max in Posen, dem heutigen Poznań, Polen, in die holländisch-hanseatische Familie von Eelking geboren. Ab 1905 besuchte er die Klosterschule Ilfeld, welche damals zu den renommiertesten Gymnasien in Deutschland zählte. Schon damals interessierte er sich stark für Mode und zählte mehr als 30 Krawatten sein eigen, sodass er an jedem Tag des Monats eine andere Krawatte tragen konnte. Nach seinem Abituran einem humanistischen Gymnasium im Herbst 1909 schlug er auf Wunsche seines Vaters die Offizierslaufbahn ein, welche er jedoch nach nur zwei Jahren schon wieder aufgab. Stattdessen studierte der in Literatur und Kunst interessierte Freiherr von Eelking Kunstgeschichte in Berlin und München. Zu dieser Zeit schrieb er mehrere Gedichte, die in ihrer Art denen des Börries Freiherr von Münchhausen ähnelten und u.a. in der Kreuzzeitung abgedruckt wurden. Während des ersten Weltkrieges gehörte er Berliner Brigade an und hielt sich in der Gegend um Warschau sowie in Berlin auf.

Sein Werdegang – Junggeselle, Modediktator & Herrenjournal

Eelking im Frack mit Zylinder & Gehstock
Eelking im Frack mit Zylinder & Gehstock

Nach seinem Studium wurde er auf die im Mai 1919 gegründete Zeitschrift Der Junggeselle aufmerksam, welche im jüdischen Verlag Nedowitz & Silberstein erschien und für die er schon nach kurzer Zeit wöchtenlich zwei Artikel zum Thema Herrenmode & Etikette verfasste. Von 1923 bis 1925 war er dort sogar Chefredakteur. Ebenfalls 1923 verfasste er sein ersten Buch aus dem Bereich der Herrenkleidung: die Garderobengesetze. Nachdem er in der Folge in einer Reihe von Zeitschriften Führungsaufgaben übernahmen, konzentrierte er sich ab 1927 bewusst wieder auf den Bereich der Herrenmode, und so in diesem Jahr die Zeitschrift Der Modediktator im Verlag Preussische Verlagsanstalt herausgab. Schon drei Jahre später entschied man sich jedoch den Namen in das wenigerhochtrabend klingende Herrenjournal umzuwandeln. Schon zu Zeiten des Modediktator fiel Eelking auf, dass die Hersteller von Herrenoberbekleidung und –accessoires sich wenig darum kümmerten was denn modisch in den anderen Sparten vorherrschte, sodass z.B. die nun modisch breiten Schultern des Sakkos überhaupt nicht zu den schmalen Krempen der Hüte passten. Da dies auch in vielen anderen Punkten der Herrenmode der Fall war, gelang es ihm schon 1928 aus allen Bereichen der HAKA (kurz für: Herrenanzüge Knabenanzüge) Vertreter unter einem Dachverband in Berlin zusammenzutrommeln, der sich zunächst Zentralamt für Herrenmode nannte, aber schon bald in Deutsches Institut für Herrenmode umfirmiert wurde. Ziel dieses Instituts, dessen Präsident natürlich nur Eelking sein konnte, war es jede Saison eine stimmige Herrenoberbekleidung prästentieren zu können. Baron von Eelking war weltweit der Erste, der die gegenläufigenTendenzen in der Modeindustrie erkannte und für Abhilfe schuf. Erst Jahre später folgte man auch im europäischen Ausland seinem Beispiel und gründete in Großbritannien nach dem Vorbild des Baron das Men’s Fashion Council.

Der Dandy & Der Krieg

Eelking im Cutaway & Turf Zylinder in grau
Eelking im Cutaway & Turf Zylinder in grau

Abgesehen von seinen Erfolgen im Bereich der Herrenmode, war Baron von Eelking auch ein wahrer Dandy was sich z.B. an der Anzahl seiner Gehstöcke oder anhand seiner Krawattensammlung zeigte, die nicht weniger als 1000 Exemplare umfasste. Nachdem von Eelking eine Krawatte getragen hatte, wurde diese auf der Rückseite aufgetrennt, fein säuberlich gebügelt und danach wieder zusammengenäht!

Während Baron von Eelking seit jeher über die Herrenmode schrieb und im Deutschen Institut für Herrenmode zwischen dein einzelnen Herstellerzweigen vermittelte, ging er in Jahre 1934 dazu über Mode selbst zu machen, indem er die bis dahin nicht wirklich bekannten kombinierten Anzug im Herrenjournal propagierte, welcher aus Sakko und Hose bestand. Bis dahin sah man in Deutschland eigentlich nur den marineblauen Blazer gepaart mit grauen Flanellhosen, und auch diese Kombination sah man eigentlich nur im Sommer. Eelking trug nun aber farblich unterschiedliche Kombinationen auch im Winter. Diese waren oftmals nicht unauffällig wie z.B. die Winterkombination aus weißer, dicker Flanellhose und braunem Blazer.

Eelking im zwereihigen Paletot Mantel
Eelking im zwereihigen Paletot Mantel

Im Zeitraum von 1932-1934 wurde er dahingehend eingeschüchtert, sein Mode- und Bekleidungswissen für die Entwürfe von Uniformkleidungen zu Papier zu bringen. Erst nach Absprache mit seinen jüdischen Kollegen gab er diesem Druck nach und trat 1934 als Herausgeber von Die Uniformen der Braunhemden in Erscheinung, welches in dem ihm zugewiesenen Franz Eher Verlag erschien.  Ebenfalls in diesem Jahr erfolgte gegen Baron von Eelking eine Anzeige beim damaligen Reichsverband der Presse, weil er mit einem jüdischen Bekannten beim Essen gesichtet wurde. Dies war für ihn ein prägendes Erlebnis, was ihn in der Folge dazu bewog, vom politischen Regime Abstand zu nehmen.

In den Folgejahren interessierte er sich sehr stark für Wein, unternahm zahlreiche Reisen in Weinbauregionen, baute einen großen Weinkeller auf und begann ein Buch über Wein zu schreiben, welches jedoch aufgrund des Krieges nie veröffentlicht wurde.

Eelking nachdenklich - Siegelring
Eelking nachdenklich - Siegelring

Während des Zweiten Weltkrieges meldete er sich nicht freiwillig zum Dienst, obwohl dies von ehemaligen Offizieren erwartet wurde. Zudem unterließ er nach einem Umzug die Ummeldung, sodass er sich dem Militär entziehen konnte. Dem Herrenjournal wurde 1941 das Papier entzogen, und somit war auch der  Betrieb eingestellt. Das gleich Schicksal ereilte das Deutsche Institut für Herrenmode. Im Februar 1945 wurde von Eelking dann zwangseingezogen. Der Wehrmacht konnte er sich jedoch schon im April 1945 durch ein fingiertes ärztliches Attest entziehen.

Nach dem Krieg gab es für ihn kaum ein Betätigungsfeld, sodass er sich daran machte, eine umfangreiche Geschichte der Herrenmode zu verfassen – dem Lexikon der Herrenmode. Der erste Band dieses feuilletonistischen Werks erschien tatsächlich 1960, der angekündigte zweite Band wurde jedoch nie veröffentlicht.

Das Lexikon der Herrenmode

Eelking im Smoking
Eelking im Smoking

Ab 1950 wurde das Herrenjournal im Walter Matthess Verlag wieder herausgegeben, in dem er nach wie vor nahezu alle Artikel zum Thema Herrenmode verfasste. Im selben Jahr konnte Eelking auch die Neugründung des Deutschen Instituts für Herrenmode feiern. Insgesamt war Eelking viermal verheiratet, wobei aus seiner ersten und dritten Ehe jeweils eine Tochter hervorging. Er interessierte sich für Krawatten, Wein sowie das Sammeln von Sporen, Zylinder- und Reitbildern. Er galt zudem aus guter Reiter und liebte den Blick fürs Detail. Baron von Eelking starb im Alter von 84 Jahren am 19. Februar 1970 in Berlin.

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Buchveröffentlichungen von Baron von Eelking:

  • Das Familienarchiv: Verlag Winter, Darmstadt 1918.
  • Garderoben-Gesetze, Budeju-Buchverl., Berlin 1923 Neu erschienen im Verlag Finckenstein und Salmuth,2000, Berlin.
  • Die Uniformen der Braunhemden, Verlag Eher, München 1934.
  • Plaudereien über die Krawatte, Rotsiegel-Krawattenfabrik, 1937, 1955.
  • Anzugs -Almanach, Verlag Musterschmidt, Göttingen 1959.
  • Lexikon der Herrenmode, Verlag Musterschmidt, Göttingen 1960.
  • Das Bildnis des eleganten Mannes, Verlag Herbig, Berlin-Grunewald 1962.
  • Gestiefelt und gespornt: Verlag Parey, Berlin 1966.
  • Bilanz der Eitelkeit: postmorthum veröffentlicht im Verlag Musterschmidt,  Göttingen, Frankfurt /Main, Zürich 1976

8 Gedanken zu „Baron von Eelking – ein Leben für die Herrenmode“

  1. Genial! Das hat uns gefehlt! Vielen Dank Dir für die Forschung auf diesem Feld und diese plastische Schilderung der Lebensstationen dieses für die Herrenmode bedeutenden und dennoch umstrittenen Mannes!

  2. Danke für den Artikel. Ich finde ja vor allem die Anekdote, dass er seine Krawatten nach einmaligem Tragen zum Bügeln auftrennte, interessant.

    1. Lieber Herr Walter, danke für Ihren Kommentar. Ja, das hat in der Tat einen dandesquen Touch. Es gibt noch einige weitere Anekdoten in dieser Richtung über den Baron, welche wir zu gegebener Zeit veröffentlichen werden.

  3. Lieber Sven,
    Danke für diese Website und die tollen Infos über die Dandys. Vielleicht ein Tipp für deinen nächsten stilvollen Gentelman: Jaques de Bascher. Der Franzose ist meiner Meinung nach der größte Dandy des 21. Jahrhunderts. Überigens, der war mit Karl Lagerfeld befreundet.

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