British Warm Mantel

Der British Warm Mantel

Nachdem schon im Forum über den British Warm gesprochen wurde, widmen wir uns heute diesem speziellen Mantel. Ursprünglich war der British Warm ein Militärmantel, welcher von britischen Offizieren während des Ersten Weltkrieges getragen wurde.

 

Die Anfänge des British Warm

Das Hauptmerkmal dieses Mantels war sein schwerer, braun-grauer Melton Stoff. Seinen Namen erhielt dieses Tuch von seiner kleinen Heimatstadt Melton Mowbray, in Leicestershire, England, welches von Einheimischen nur Melton genannt wird. Dieser Stoff wurde bereits 1823 erstmals namentlich erwähnt und man versteht darunter ein dicht gewobenenes Streichgarn, welches sehr schwer ist und 1050 Gramm je Meter wiegt. An der Oberfläche ist es leicht angerauht, was es ein wenig wie Fleece aussehen lässt. Im Jahre 1914 stellte das schottische Unternehmen Crombie  auf Kriegsproduktion um, und stellte ca. 10% aller britischen Offiziersmäntel her. Zu dieser Zeit entwickelte sich der Begriff des British Warm. Bis heute ist dieser Ausdruck eng mit Crombie verbunden und so verwundert es kaum dass dieser schwere, häufig auch Crombie Fleece genannt wird.

Die Merkmale des British Warm Militärmantels

Abgesehen davon war der British Warm zweireihig, wobei von den sechs Regimentsfrontknöpfen aus Metall immer drei geschlossen wurden. Wie es sich für einen Militärmantel gehört, war auch der British Warm tailliert geschitten, hatte zudem Spitzrevers, zwei Pattentaschen, einen Rückenschlitz, eine Brusttasche sowie zwei Knöpfe an der Manschette. Interessanterweise wies er auch Epauletten (Abzeichen auf der Schulter) auf und das zu einer Zeit, in der man Abzeichen für gewöhnlich noch am unteren Ärmel trug.  Kombiniert wurde der British Warm traditionell mit mit Jodphurhosen und enganliegenden, kniehohen Field Boots. Um überhaupt nur etwas von der Hose sehen zu können, schneiderte man den British Warm so, dass er über dem Knie endete.

Manche Exemplare wiesen auch einen kleinen Schlitz über der linken Tasche auf, welcher einem Offizier dazu diente sein Schwert unterzubringen!

Zu Beginn seiner Existenz wurde der British Warm manchmal auch mit einem Rückengurt versehen, diese Mode verschwand jedoch schon sehr bald.

Interessanterweise trugen sowohl King George V als auch King George VI manchmal einen braunen Pelzkragen mit ihrem British Warm. In dem Bild rechts (bitte klicken Sie auf das Bild um es zu vergrößern) sehen wir  George V wie er zusammen mit König Albert von Belgien Truppen inspiziert. Im Foto links ist der junge Prince of Wales dem Anschein nach ebefalls im British Warm.

Der British Warm als Alltagsmantel

Nach Kriegsende, trugen teilweise Offiziere ihren British Warm auch in Zivil und schon bald machten es ihnen andere Männer auf der Straße nach. Ähnlich wie im Falle des Burberry Trenchcoat setzte sich also mit dem British Warm ein Militärmantel auch im Alltag durch.

Natürlich ergaben sich dabei kleinere Abwandlungen. So wurden z.B. die Regimentsknöpfe gegen geflochtene Lederknöpfe ausgetauscht. Auch verschwand die kleine Schwertöffnung über der linken Tasche und manchmal wurden auch die Epauletten weggelassen. Zudem wurde dieser schwere Mantel in der Länge oftmals bis über das Knie getragen. Bemerkenswerterweise trugen auch manche Offiziere den Britisch Warm manchmal bis über das Knie wie es z.B. in folgendem Kurzvideo zu sehen ist. Wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um einen Wintermantel handelt, der vor Kälte schützen soll, so kann man es ihnen nicht verübeln.

Ganz selten hatten zivile British Warm Mäntel nicht nur Patten an den Seitentaschen, sondern auch an der Brusttasche, wie sie auf dem Bild rechts sehen können.

Obwohl man heute vereinzelt auf British Warm Mäntel aus Cavalry Twill oder Kaschmir trifft, so sollten Sie stets dem Original – dem schweren Melton – den Vorzug geben. Er wird sie immer warmhalten und ist äußerst robust – versprochen! Ein weiteres Austattungsdetail ist der zusätzliche Knopf unter dem Kragen, welcher es Ihnen erlaubt den Mantel auch über dem Hals zu schließen. Das ist vor allem dann vorteilhaft, wenn es draußen windet und richtig kalt ist.

Bevor Dunn & Co insolvent ging, war es die erste Adresse für British Warm Konfektionsmäntel und in den USA konnte man bis vor wenigen Jahren bei J. Press fündig werden. Heute ist wohl New & Lingwood der einzige Anbieter eines RTW  British Warm – Verkaufspreis 695 £. Abgesehen davon müssen Sie den British Warm entweder maßanfertigen lassen, oder Sie versuchen ein Second Hand Exemplar aufzutreiben.

Gieves & Hawkes schneidert schon seit vielen Jahren alle Arten von Uniformen und hat sich auch für den British Warm eine gewisse Reputation erarbeitet. Glücklicherweise konnte ich einen Second Hand British Warm auftreiben, welche vor vielen Dekaden im Hause Gieves hergestellt wurde, als dieses noch nicht unter einem Dach mit Hawkes kollaborierte. Er weist alle typischen Merkmale eines British Warm auf, hat ein braunes Futter aus Satin Seide und reicht mir gerade bis über die Knie. Das gute Stück wiegt über 4kg und in naher Zukunft werde ich dem Mantel wohl noch ein Pelzfutter spendieren, was ihn nochmals schwerer aber auch wärmer machen wird. So stilvoll gerüstet, lässt sich auch den kältesten Wintertagen entspannt entgegen sehen.

British Warm Outfit

Auf den Bildern trage ich den British Warm zusammen mit schweren Baumwoll Cordhosen, Morlands Shoot Boots, dunkelblaue Hüte vonMayser und Kaschmir gefütterte Handschuhe von Madova.

Zuletzt soll noch erwähnt werden das Die Royal Logistic Corps Dress Instructions vorsehen, dass Offiziere welche zum Oberst befördert werden, die Kosten für die Anschaffung eines British Warm erstattet bekommen aber die Instandhaltung aus eigener Tasche bestritten werden muss. Für alle regulären Offiziere ist der British Warm lediglich eine Option und muss daher in voller Höhe selbst bezahlt werden. Auch darf er in diesem Fall nicht bei Militärparaden getragen werden, bei welcher Soldaten anwesend sind.

Viel Erfolg bei der Suche nach Ihrem British Warm!

3 Gedanken zu „Der British Warm Mantel“

  1. Kompliment: toller Artikel – sehr informativ! Es ist schön auch die Geschichten hinter den Dingen zu kennen.
    Kann man den British Warm, denn auch zur Arbeit tragen?

    1. Lieber Micha, es kommt ganz darauf an, in welchem Umfeld Sie arbeiten. In Deutschland könnte man ihn heutzutage in den meisten Fällen tragen, wenngleich die Farbe wohl nicht die eines jeden Bankers oder Anwalt ist.

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