Compass Box Whisky Company

Whisky einmal anders – The Compass Box Whisky Company

Scotch Whiskey spiegelt mit seinem kräftigen, jedoch zugleich eleganten Aroma in vielerlei Hinsicht seine Ursprungsregion wider. Kürzlich begab ich mich in die Chiswick High Street in London und von dort bog ich in eine Art Industriepark ab, um dort einen der talentiertesten Whiskeyhersteller der Welt zu treffen. Während der rauhe Wind den Regen gegen die hölzernen Wände der Lagerhallen prasseln ließ, ruhte der Whisky sicher in den Fässern und wartete nur darauf im richtigen Moment abgefüllt zu werden. Dieser Ganze Prozess ist einerseits geprägt von Leidenschaft, andererseits jedoch ein wenig Wissenschaft. Das Trinken des Whiskys ist dann einer der genüsslichsten Momente überhaupt.

Compass Box Whisky - Hedonsim, Spice Tree, Peat Monster, Oak Cross, Asyla
Compass Box Whisky - Hedonsim, Spice Tree, Peat Monster, Oak Cross, Asyla

Da stand ich also, zwischen den Lagerhallen im Londoner Westend und die romantischen Moorlandschaften schienen endlos weit entfernt zu sein. Aber genau hier fertigt John Glaser seinen Whisky für seine Compass Box Whisky Company, eine der innovativsten und geradlinigsten Manufakturen in der der Welt des Whiskys.

 

Single Malt Scotch wurde eigentlich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Luxusprodukt und das, was die meisten Leute unter Scotch Whisky verstehen ist genauer gesagt ein Mix aus Malz(Malt) und Korn(Grain) Whisky. Häufig bestehen handelsübliche Whiskymischungen zu 80% (oder gar mehr) aus Korn Whiskey! Der Malt Whisky wird hier nur dazu verwendet, um dem ganzen Gemisch das charakteristische Aroma zu verleihen.

Mit seinem Talent und seinem hoch entwickelten Gaumen schafft es Glaser immer wieder exzellente Whiskymischungen zu produzieren. Compass Box bietet z.B. Whiskys aus reinem Korn, aus einer Korn und Malz Mischung, sowie aus reinem Malz an. Letztere werden von Kennern auch als vatted malts bezeichnet. Der heutige Artikel ist der erste in einer Reihe über Whiskey von Compass Box, in welcher wir versuchen werden Ihnen die Feinheiten der Whiskys näherzubringen, damit Sie Ihren Gaumen weiterentwickeln können.

Der Whiskybrenner John Glaser & die Kunst des Whisky

Compass Box Whisky Company Laboratory
Compass Box Whisky Company Laboratory

Für John Glaser begann alles mit einem Kurs über Weinkunde, welchen er in seinem letzten Jahr an der Universität besuchte. Es dauerte nicht lange, und gegen Ende des Semesters war er absolut begeistert vom Thema Wein. In der Folge trat er also in die Weinbranche ein und arbeitete schließlich für Diageo, dem Londoner Konzern, der u.a. Marken wie Smirnoff, Johnnie Walker und Guiness produziert. Als er dann nach London versetzt wurde, kam er mehr und mehr mit der Whiskyindustrie in Berührung, welche ihn nicht mehr loslassen sollte. Kurz nach der Jahrtausendwende entschied er sich daher, seiner Passion zu folgen, und macht sich mit der Compass Box Whisky Company selbstständig. Elf Jahre später brennt und mischt John Glaser nach wie vor Whiskys auf die so wohl kein anderer kommen würde. Dabei stößt er immer weiter in neue Qualitäts-Dimensionen vor.

 

Wie so oft im Handwerk benötigt man auch bei der Whiskyproduktion hochwertige Zutaten um ein ausgezeichnetes Produkt herstellen zu können. Nun wird der ein oder andere wohl gleich an die Güte des Brennens denken, aber der Prozess beginnt schon viel früher, nämlich beim Holz. Ohne gute Fässer, erzeugt man auch mit den besten Zutaten nur einen matten, geschmackslosen Whiskey. Während viele Brennereien primär auf Fässer zurückgreifen, welche zuvor schon für Bourbon aus Amerika oder Sherry aus Spanien benutzt wurden, verfährt Compass Box gänzlich anders. Hier wird jedes Fass einzeln zusammengebaut! Dabei kommen teils neue Hölzer, aber auch teils Fassteile zum Einsatz, welche schon in der Wein-und Spirituosenproduktion benutzt wurden. Oft wird auch Eiche aus Frankreich, Spanien, den USA etc. zu Fässern verarbeitet. Auf diese Weise kann Glaser seinen Whiskys feine Nuancen verleihen, die man sonst wohl nicht so findet.

Das Mischen des Whiskys

Compass Box Whisky Company - The Making
Compass Box Whisky Company - The Making

Am Anfang eines Prozesses steht immer die Idee und im Falle von Compass Box bedeutete dies, dass zunächst einmal entgegen des Branchentrends komplett auf Malz verzichtet wurde! Glaser war der Auffassung, dass die bis dahin oftmals so eleganten Korn Whiskys ungerechtfertigterweise neben den so populären Malt Whiskys ein Schattendasein führten. Auch in den oben schon erwähnten 80-20 Mischungen von Korn zu Malz Whisky wird dem Kornteil wenig bis gar keine Beachtung geschenkt – stattdessen verlässt man sich dort beim Aroma voll und Ganz auf den kleinen Malzanteil.

 

Glasers erster Whiskey war daher aus reinem Korn. Interessanterweise taufte er ihn auf den Namen Hedonism. Dieser Whisky besteht aus einer Hand voll verschiedener Getreidesorten was dem Whisky einen cremigen Geschmack verleiht, der so ganz und gar nicht dem gleicht, was ich von Malt Whiskys bis dato gewohnt war. Nachdem ich Hedonism in London das erste Mal probiert hatte, war klar, dass ich auch die anderen Whiskysorten probieren musste.

Mein persönlicher Favorit ist dabei wahrscheinlich Spice Tree. Das besondere an diesem Whisky ist, dass in einem Fass verschiedene Eichenhölzer zusammengebracht wurden, die alle in unterschiedlichen Graden vorher geröstet wurden. Aufgrund dieser Spezialbehandlung des Holzes schmeckt dieser Whisky ein bißchen wie ein flüssiger Fruchtkuchen. Im Gegensatz zu den meisten Fruchtkuchen, möchte man jedoch von diesem Whisky gerne eine zweite Kostprobe. Abgesehen davon, ist die Geschichte hinter dem Entstehungsprozess ganz amüsant.

Compass Box Whisky Gift Set
Compass Box Whisky Gift Set

Als dieser Whisky das erste mal auf den Markt kam, verstanden es die Konkurrenten eine einstweilige Verfügung gegen den Verkauf zu erwirken, da das verwandte Eichenholz anscheinend nicht den Industriestandards für Whisky genügte, sodass es nicht als „Scotch“ auf den Markt gebracht werden durfte. Nachdem Glaser die Holzzusammensetzung leicht änderte, durfte er Spice Tree jedoch offiziell als Scotch anpreisen, und nun schmeckt er sogar noch ein Stückchen besser als vorher.

 

Abgesehen von der Verköstigung vor Ort, gab mir Mr. Glaser ein kleines Testset mit nach Hause. Ich freue mich schon darauf, Ihnen in den kommenden Wochen die einzelnen Whiskys präsentieren zu dürfen. Obwohl ich die meisten Whiskys im Set schon einmal probiert habe, hatte ich noch nie die Gelegenheit alle im direkten Vergleich zu kosten. Hoffentlich kann ich Ihnen eine gute Idee davon vermitteln, welcher Whisky ihren Geschmack am besten trifft.

In der Zwischenzeit können Sie sich unsere Grundlagen der  Whisky-Probe durchlesen sowie zwei Videos über Whisky von Charles MacLean anschauen, einem anerkannten Whiskykenner und Autor zahlreicher Bücher in diesem Bereich.

Website: www.compassboxwhisky.com

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