Der blaue Anzug für den Frühling

Nachdem wir Ihnen vor ein paar Tagen den Turfsakko näher vorgestellt haben, widmen wir uns heute weitern Anzügen für den Frühling, wie sie in der Apparel Arts 1939 gezeigt wurden.

Sommerstoffe werden leichter

Gegen Ende der 30er Jahre kamen in den USA erstmals leichtere Wollstoffe in sommerlichen Qualitäten auf den Markt. Während vormals Stoffgewichte von 430g die Untergrenze darstellten, waren nun Gewichte von 250g bis 280 g bei Sommerstoffen keine Ausnahme mehr. Die Konsequenz daraus war, dass Herren nun auch dunkle Hosen zu ihren dunklen Sakkos trugen, und hellere Hosen in Cremeweiß zusehends verschwanden. Ehemals wählte man diese hellen Farben bewusst deshalb, um zumindest durch die hellere Farbe ein zu schnelles Aufwärmen zu verhindern. Die neuen Stoffe waren jedoch so leicht und atmungsaktiv, dass es dafür im Businessalltag keinen Bedarf mehr gab. Hellere und zugleich schmutzanfälligere Hosen waren daher schon bald der Freizeitkleidung vorbehalten.

Der blaue Anzug für den Frühling

Lassen Sie uns aber nun einen Blick auf eine Modezeichnung werfen. Das Outfit stammt von dem damals bekannten Modezeichner Robert Goodman und zeigt einen Gentleman in einem schönen, blauen, zweireihigen Anzug, der aus eben diesem neuen, leichten Sommertuch gefertigt wurde. Der Schließknopf sitzt dabei unter der natürlichen Taille und damit sehr tief. Deshalb wirken auch die Revers sehr lang. Die Taschenhöhe ist genau auf das untereste Knopfpaar abgestimmt –sehr schön! Über seiner rechten Brust sehen wir einen Falte, welche uns darauf hinweist, dass der Sakko im Drape Cut gefertigt wurde. Die passenden Hosen sind sehr luftig und weit geschnitten – schauen Sie sich nur mal die Stoffmengen an. Alternativ, würde der Sakko auch mit helleren Hosen sehr gut harmonieren, wie z.B. cremeweiß, weiß, grau oder gelb… Das weiße Hemd hat einen mäßig gespreizten Kragen, was damals aber schon sehr modisch war. Aufgrund der tiefsitzenden Schließknöpfe ergibt sich über der Brust ein großer, weißer V Ausschnitt, welcher durch eine gestreifte Krawatte in den Farben gelb, blau und weiß ergänzt wird. Komplettiert wird das Outfit von braunen Oxfords mit Kappe und leichtem Brogueing sowie einem Boater Strohhut, welcher in Deutschland auch unter dem Namen Kreissäge bekannt ist. In der Abbildung wird er auch Sennit Hut genannt, da dies die englische Bezeichnung für das geflochtene Stroh ist, welches bei den Kreissägen zum Einsatz kommt. Zugegebenermaßen sind die Tage des Boaters gezählt, allerdings steht er dem Herrn im Bild ganz gut, meinen Sie nicht auch?

Der blaue Zweireiher heute

Solch ein blauer Sommeranzug in Irischem Leinen oder Tropical Wolle ist auch heute noch sehr nützlich, da er so vielseitig einsetzbar ist. Man kann den Sakko z.B. fast beliebig mit andersfarbigen bzw. –gemusterten Hosen kombinieren, sodass man für alle Casual oder Businessangelegenheiten auch im Sommer passend gekleidet ist. Die beiden Fotos stammen von unserem Bespoke Consultant Herbert Stricker. Dieser 4 x2 Zweireiher aus Irischem Leinen wurde von Sartoria Sciamat hergestellt. Er ähnelt dem Anzug auf der Modezeichnungen, wenngleich doch einige Differenzen bestehen: Die Armkugel ist anders gearbeitet, die Revers sind breiter und auch die Taschen sind aufgesetzt. Der Sakko kann mit fast jeder Hosenfarbe kombiniert werden und ist offentsichtlich sehr vielseitig.

5 Gedanken zu „Der blaue Anzug für den Frühling“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.