Film Rezension: Der Gelbe Rolls Royce

Vor einer Weile schrieben wir unsere erste Filmrezension über den Film Die Verdammten von Luchino Visconti. Dabei legten wir ein besonderes Augenmerk auf die Kleidung der Schauspieler. Heute wollen wir diese Reihe mit einem Artikel über den 1964 produzierten Film The Yellow Rolls Royce von Anthony Asquith fortführen.

Die Handlung

Der Film selbst besteht aus drei isolierten „Liebesgeschichten“ welche sich alle um den Gelben Rolls Royce drehen.

Lord Frinton, Royal Ascot und seine Ehefrau

Der Film beginnt mit einem knapp 34-minütigen Teilabschnitt, welcher in den 30er Jahren spielt als George V König von England war. In der einleitenden Szene sehen wir wie ein verhüllter Rolls Royce zum Autohändler transportiert wird. Gleich darauf ist das gelbe Prachtexemplar des neuen Phantom schon im Schaufenster zu bewundern, wo es auch die Aufmerksamkeit des britischen Aristokraten und Diplomaten Lord Frinton erregt. Gespielt wird der Adelige von Rex Harrison, und da der Lord sein zehnjähriges Hochzeitsjubiläum am 10. Juni vergessen hat, schenkt er seiner Frau als Wiedergutmachung diesen gelben Rolls Royce. Beim Kauf eines solchen Autos war es damals ganz normal, den Innenraum auf die persönlichen Vorlieben des Kunden anzupassen. Im Film wurde zum Beispiel der Dekanter ausgetauscht und die Sprechanlage für den Kontakt zum Fahrer auf die linke Seite verlegt. Außerdem wurde die Sitzlänge an die Beinlänge der Dame angepasst. Die Maße hierzu befanden sich natürlich noch im Archiv des Autohändlers, sodass einer Überraschung nichts im Wege stand. Ich frage mich, ob man heute bei Rolls Royce noch die Sitzlänge anpasst.

Nachdem Lord Frinton seiner Holden den Rolls Royce präsentiert hat, fahren die zwei am nächsten Tag samt einem ganzen Autokorso an Gästen zum berühmten Pferderennen nach Royal Ascot. Der Lord ist nämlich ein ausgesprochener Pferdeliebhaber und hofft sehnlichst darauf in diesem Jahr den Gold Cup zu gewinnen. Just in dem Moment in dem sein Pferd, welches ironischerweise auf den Namen 10.Juni hört, tatsächlich dieses Rennen gewinnt, erwischt er seine Frau in flagranti in den Armen seines verführerischen Assistenten. Nachdem sie den Gold Cup Pokal entgegen genommen haben, führen sie im Rolls Royce ein ernstes Gespräch über ihre zukünftige Beziehung. Zwar stimmen beide darin überein zusammenzubleiben, jedoch ist der Lord sichtlich über die Affäre im Auto gekränkt. Kaum wieder zuhause angekommen, lässt er daher den gelben Rolls Royce wieder zum Händler zurückbringen.

Der Mafioso, seine Verlobte & Alain Delon

Exakt 20.023 Meilen später befindet sich der Rolls Royce in Genua, wo der zweite Teilabschnitt des Films beginnt. Zwischenzeitlich war der Pahntom in den Besitz eines Maharajahs gelangt, welcher ihn jedoch aufgrund seiner Spielschulden im San Remo Casino in Monte Carlo wieder veräußern  musste. Nun kauft der New Yorker Mafioso Paolo Maltese (George C. Scott)  auf Drängen seiner Verlobten den Rolls Royce. Eigentlich wollte Maltese seinen Verwandten seine amerikanische Verlobte Mae Jenkins (Shirley Maclaine) vorstellen und Sehenswürdigkeiten besuchen, doch die Blondine langweilt sich nur. Das ändert sich allerdings als der Photograph & Gigolo Stefano (Alain Delon) auftaucht. Während Paolo für ein „Geschäftstreffen“ mit dem Schiff nach Miami reist, verführt Stefano Mae im gelben Rolls Royce. Die sich anbahnende Romanze zwischen den beiden wird jedoch durch die auf einmal gereift scheinende Mae abruppt beendet, was Stefano das Herz bricht.

Schmuggel, Widerstand & Ingrid Bergman

Der dritte Abschnitt spielt im Jahr 1941 und beginnt als der Rolls Royce in Trieste, an der Grenze zu Jugoslawien auftaucht. Die Eigentümerin und Schauspielerin Gerda Millet (Ingrid Berman) befindet sich auf dem Weg nach Jugoslawien um den dortigen König Peter zu besuchen. Dabei macht Sie die Bekanntschaft mit dem Widerstandskämpfer Davich (Omar Sharif), welcher sich zunächst durch geschicktes Täuschen von ihr nach Jugoslawien schmuggeln lassen möchten. Nachdem der Schwindel auffliegt, lässt sich Millet jedoch zum Schmuggel überreden, und bald darauf befindet sie sich samt dem Rolls Royce im Wiederstandskampf gegen die Deutschen. Währenddessen verlieben sich die beiden. Schlussendlich kehrt sie jedoch zurück nach Amerika während Davich in den Bergen Jugoslawien verharrt, um die deutschen Soldaten zu bekämpfen.

Im Gesamten war die Handlung in meinen Augen ziemlich enttäuschend. Zum einen lag das wohl an den ziemlich durchschaubaren Szenen, welche aufgrund ihrer Kürze etwas zusammenhanglos wirken. Es ist eben kaum möglich innerhalb kürzester Zeit eine Beziehung zwischen den Filmcharaktern und den Zuschaueren aufzubauen. Daran können auch die hochkarätigen Schauspieler nichts ändern, welche hier nicht zu ihrer Höchstform aufliefen.

Die Kleidung

Im Gegensatz zur spröden Handlung ist die Filmgarderobe wirklich ausgezeichnet, vor allem Herren kommen in den ersten beiden Teilstücken auf Ihre Kosten.

Stresemann , Cutaway & Frack

Zu Beginn des Films sieht man Lord Frinton in einem makellosen Stresemannanzug bestehend aus einem schwarzen, einreihigen Sakko, einer schwarzen 6×3 Weste mit trapezförmiger Knopfanordnung und einer Taschenuhr mit Goldkette. Zudem trägt er eine schwarz-grau gestreifte Stresemannhose, ein weißes Hemd, eine Krawatte in silbergrau, ein weißes Einstecktuch, einen Ring am linken kleinen Finger, ein Boutonniere,  schwarze Schuhe und auf dem Kopf einen schwarzen Homburg. Natürlich hat er auch einen Regenschirm und ein Paar Handschuhe dabei, wie sich das für einen Londoner Gentleman einst gehörte. Das Besondere an dieser Zusammenstellung ist dabei die weiße Untergilet, welches im Englischen schlicht slip genannt wird. Es handelt sich dabei nicht um eine Weste im engeren Sinne, sondern lediglich um zwei Streifen Stoff aus weißem Baumwoll-Waffelpiquée. Diese werden mit Hilfe von Knöpfen auf der Innenseite der Weste befestigt, sodass sie nur ca. einen halben Zentimeter unter der Weste hervorsteht. Auch wenn man dies heute selten sieht, so ist dies doch sehr elegant.

Am Abend sehen wir ihn dann in einem klassischen Frack mit steifer Hemdenbrust, poliertem anknöpfbarem Kläppchenkragen, Waffelpiquée Fliege und Zierknöpfen in der Brust. Die Hosen weisen zwei dünne, nebeneinanderliegende Galons auf, ganz so wie es die Englische Etikette vorschreibt.

Am Tage des Royal Ascot Pferderennens werden einige Szenen der dortigen Gesellschaft gezeigt und so bietet sich die Möglichkeit die zahlreichen Cut-, Stresemann- und Rennbahnoutfits näher unter die Lupe zu nehmen. Auch der Lord ist vorzüglich gekleidet und natürlich sieht man auch viele verschiedene Zylinder in grau, schwarz… für den Kleidungsinteressierten bietet sich hier ein wahrer Augenschmaus.

Informelle Tagesgarderobe

Im zweiten Abschnitt geht es weniger formell zu . Zunächst zeigt sich Paolo Maltese in einem interessanten weißen 6 x 3 Zweireiher mit paralleler Knopfstellung. Die angeschrägten Paspeltaschen haben eine schwarze Bordierung, welche auf der Rückseite durch ein schwarzes Dreieck über dem Mittelschlitz ergänzt wird und ebenso auf einen schwarzen Quersteifen auf der Weste abgestimmt ist. Auf dem Kopf trägt er einen silbergrauen Snap Brim Hut mit einem schwarz-silbernen Band. Dazu trägt er schwarz weiße Spectator Schuhe. Während das Einstecktuch in rot gehalten ist, hat die blaugundige Krawatte Rosa Muster. Auffallenderweise trägt er sowohl eine Kragennadel als auch eine Krawattenziernadel. Dies ist definitiv ein Akzent zuviel für einen gut gekleideten Herren. Da wir es hier jedoch mit einem Mafioso zu tun haben, unterstreicht die übertreibene Kleidung den Charakter ausgezeichnet.

Während Paolo mehrmals seine Anzüge wechselt und u.a. karierte Sakkos und einen dunkelblauen Anzug mit Kreidestreifen trägt, , ist sein Chauffeur eigentlich stets in einem hellbraunen Anzug mit Überkaros zu sehen. Entweder kombiniert er ihn mit einer Krawatte oder einer Fliege und dazu trägt er manchmal einen Boater. Paolo trägt dagegen entweder einen Haarhut oder einen Panama und zudem geht er eigentlich kaum ohne Zierstock aus dem Haus.

Livree

Abgesehen von den Hauptpersonen lohnt es sich durchaus einen Blick auf die Bediensteten zu werfen – diese sind nämlich vorzüglich gekleidet. Dem Sommelier hängt z.B. der Tastevin um den Hals, wobei seine Frackrevers ein elegantes Trottoir aufweisen (das Revers ist nur teilweise mit Seide bezogen). Auch der italienische Kellner trägt zu seinem Frack eine schwarze Fliege sowie eine schwarze Weste, sodass er sich deutlich von den Gästen im Frack abhebt.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Filmkostüme um Längen besser sind als die Handlung. Insbesondere die tadellose Passform der Kleidung von Rex Harrison ist hier gesondert hervorzuheben. Alles fällt sauber, der Kragen steht nie unschön ab und jedes Detail ist perfekt.

Gerade deshalb kann ich diesen Film jedem empfehlen, der sich für klassische Herrenkleidung und Accessoires interessiert.

Die englische DVD The Yellow Rolls Royce können Sie z.B. bei amazon für knapp 20 € bestellen. Auf unserer DVD gab es leider bis auf einen Trailer keine weiteren Extras.

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