Der kombinierte Anzug

Der kombinierte Anzug mit gemusterter Hose

Heute möchten wir Ihnen anhand zweier Zeichnungen aus dem Herrenjournal der 1950er Jahre den kombinierten Anzug von Sakko und gemusterter Hose näher bringen, welcher in den 50ern oftmals unter dem Namen Campus Anzug bzw. Campusstil sehr populär war – vor allem im Sommer.

Die Geschichte des kombinierten Anzugs

Historisch gesehen kam der kombinierte Anzug Anfang der 20. Jahrhunderts als Strandanzug bzw. Flanieranzug auf. Damals sah man vereinzelt auch gemusterte Hosen in Pepita, Cheviotstreifen und sogar Glencheck. Diese Mode flachte aber schon bald darauf zugunsten der unifarbenen Hose ab.

Die Rockkombination

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts war schon einmal die Mode aufgekommen, den Hauptakzent der Kleidung auf das Beinkleid zu legen und so wurde zum Rock auffallende Hosen mit Streifen und Karos getragen, während die Dessins der Röcke meist eher diskret blieben bzw. ganz unifarben waren. Allerdings kann man hier noch nicht von einem kombinierten Anzug sondern eher von einer Rockkombination sprechen.

Der kombinierte Anzug mit gemustertem Beinkleid der 20ern und 30ern

Der kombinierte Anzug mit gemusterter Hose
Der kombinierte Anzug mit gemusterter Hose

In den 1920er Jahren fand die Kombination dann auch in der Tageskleidung der Herren ihren Platz und Mitte der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts konnte sich der kombinierte Anzug fest etablieren. Für den Sakko waren nun Stoffe aus Tweed – besonders Shetland, Cheviot oder Homespun – sehr beliebt. Selbst zu diesem Zeitpunkt bestand jedoch die Anzugkombination, abgesehen vom Stresemann, in der Regel nur aus einem unifarbenen oder gemusterten Sakko und einem stets ungemustertem Beinkleid. Zwar ergaben sich aufgrund des kombinierten Anzugs zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten, jedoch waren diese durch die unifarbene Hose in gewisser Weise beschränkt. Der Grund hierfür kann zumindest teilweise im Material gesehen werden. In den Dreißigern waren die Hosen des kombinierten Anzugs meist aus Flanell geschneidert, und diese waren eben zum Großteil nur als Unis erhältlich.

Der kombinierte Anzug mit gemustertem Beinkleid

Später wurde es dann jedoch auch üblich, die Sportsakkos mit Hosen aus Gaberdine zu kombinieren. Hiermit war hinsichtlich der Textur schon einmal ein Schritt in Richtung Vielseitigkeit getan. In den 1950ern wurde diese dann noch durch die passende Musterung des Beinkleides erhöht. Damals sah man zum Teil recht lebhafte Sakkostoffe mit großen Checks und Überkaros, andererseits aber sehr dezente Tweeds. Um hier für eine sartoriale Auflockerung zu sorgen wurden die gemusterte Hose populärer.

In den Stoffbüchern fand man in den 50ern oft Pepitas, Hahnentritt, Gunclub und Diagonalmusterungen, welche sich ideal für die Mode der Campusanzüge mit gemusterten Hosen eigneten.

In unserem ersten Bild sehen wir zwei Herren, die den kombinierten Anzug mit gemustertem Beinkleid tragen. Links sehen wir einen Herrn in einem hellbraunen, sportlichen 2 Knopf Einreiher mit 4 aufgesetzen Taschen. Passend zum sportlichen Milieu finden wir am Ärmel nur einen Ärmelknopf. Die Hose ist heller gehalten als der Sakko und hat ein pepita- bzw. gunclubaähnliches Muster. Das Hemd hat einen hellen Pastellton sowie einen Clubkragen mit abgerundeten Ecken. Die horizontal gestreifte Strickkrawatte wird von einer Kragennadel unterstützt und harmoniert gut mit dem Hut.

Der Herr rechts präsentiert uns einen außergewöhnlichen kombinierten Anzug. Zunächst einmal ist der Sakko mit genügend Drape ausgestattet und in einer zweireihigen Kentfasson gehalten. D.h. er ist auf das unsterste Knopfpaar geknöpft und hat darüber blinde Knöpfe angebracht, was dem Sakko eine V-Form verleiht. Die Revers sind daher lang und haben einen leichten Bauch. Um dem an sich eher seriösen Zweireiher eine sportliche Note zu verleihen hat man hier 3 aufgesetzte Taschen und lediglich einen Ärmelknopf angebracht sowie ein hellblaues Glencheck Dessin gewählt, welches mir außerordentlich gut gefällt. Die Hose ist in navy marineblau gehalten und hat einen hellen Kreidestreifen. In Verbindung mit dem hellblauen Hemd, der roten Polka Dot Krawatte und dem Strohhut erhält man zwar ein farblich klassisches Outfit, welches jedoch aufgrund seiner Zusammenstellung einen sehr außergewöhnlichen kombinierten Anzug darstellt.

Der kombinierte Anzug mit unifarbenen Twill-Hosen

Der kombinierte Anzug mit unifarbenen Hosen
Der kombinierte Anzug mit unifarbenen Hosen

Während die damals hochmodischen Pepitas, ihre verwandten Hahentrittmuster und braunen Gunclubs das ungemusterte Tweedsakko modisch mit einem Paukenschlag aufwerteten, waren die Twillmuster eher für den diskreteren Herrn gedacht, der auch mit etwas weniger Mut das Terrain des kominierten Anzugs mit gemusterter Hose betreten konnte.

Im zweiten Bild sehen wir zwei Herren, die kombinierte Anzüge mit Hosen im Twillmuster tragen. Links im Bild sehen wir eine recht harmonische Kombination aus einem 3 Knopf Einreiher, der auf den mittleren Knopf gerollt wurde und farblich einen braunen Fond mit einem rotem Überkaro aufweist. Die Hose ist im selben Grundton gehalten, weist aber keine Überkaros auf. In Verbindung mit dem beige-gelben Hemd, einer roten Krawatten und einem hellbraunen Snap Brim Hut erhält man ein stimmiges Outfit, welches durch den leicht grünen Mantel noch eine Spur interessanter wird.

Der Herr rechts trägt einen kleinkarierten, einreihigen 2 Knopf Sakko in blau und gelb mit fallendem Revers und einer angeschrägten Pattentasche, welche auf den Schließknopf ausgerichtet ist. In dieser Modezeichnung wirkt der Sakko sehr lang, allerdings waren damalige Modezeichner stets an einer langen, schlanken Silhouette interessiert, sodass die Herren immer überproportioanl groß erschienen. Die hellbraue Hose hat eine breite Twillstruktur und ergänzt den eher auffallenden Sakko vorzüglich. Das leicht grüne Hemd sowie das Einstecktuch wären sicher nicht meine erste Wahl gewesen, aber das ist reine Geschmacksache. Bemerkenswert an diesem Outfit sind in jedem Fall die Krawatte mit Kopfmuster sowie die Wing Tip Spectator Schuhe in braun-weiß.

Der kombinierte Anzug heute

Auch heute bietet es sich gerade in den warmen Sommermonaten an, den komninierten Anzug mit gemusterter Hose zu forcieren. Zum einen hat man schon mit ein paar wenigen Anzügen, Hosen und Sakkos eine ausgezeichnete Basis für zahlreiche Anzugkombinationen, andererseits wirkt der kombinierte Anzug legerer und weniger formell ohne dabei underdressed zu wirken. Anstatt Tweed, Flanell und Cheviot sollten Sie in den Sommermonaten eher zu Fresko, Leinen und Baumwolle greifen.

In jedem Fall wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Zusammenstellen Ihres kombinierten Anzugs. Falls Sie ein Foto von ihrem Outfit machen sollten, dann geben Sie uns bitte bescheid!

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