Dressing Gowns & Roben

Hausmäntel & Dressing Gowns

Oscar Wilde sagte einmal:“Man sollte entweder ein Kunstwerk sein oder ein Kunstwerk tragen.“ Da leider nur die wenigsten unter uns tatsächlich ein Kunstwerk darstellen, sollten die meisten zumindest ein solches tragen. Obgleich sich nur wenige nach Wilde richten wenn sie aus dem Haus gehen, so gibt es wohl noch weniger, die seinem Rat auch in den eigenen vier Wänden folgen.

Anstatt im Schlafanzug oder gar im Trainingsanzug Ihr häusliches Dasein zu fristen, sollten Sie sich ernsthaft mit der Anschaffung eines schönen Hausmantels – dem Dressinggown – auseinandersetzen. Damit Ihnen dies leichter fällt, wollen wir Ihnen heute ein paar Worte über dieses fast schon ausgestorbene Kleidungsstück verlieren.

Kurze Historie über den Hausmantel

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als nur die wenigsten in den Genuss einer Zentralheizung kamen, trugen viele Männer zuhause eine Robe, um sich warm zu halten. Diese Hausmäntel waren deshalb zuallererst funktionell und wiesen eigentlich keine dekorativen Elemente auf. Gefertigt wurden sie aus schweren, robusten Woll- oder Baumwollstoffen die farblich wenig spektakulär waren und nur selten leichte Karos aufwiesen. Wenn man Watson glauben schenken darf, so trug auch Sherlock Holmes recht häufig eine dieser eher biederen Roben. Ausgenommen hiervon waren eigentlich nur Aristokraten, welche u.a. durch einen prachtvolleren Dressing Gown ihren Status herausstellten. In dem kürzlich in England und den USA ausgestrahlten TV Drama Downton Abbey, welches im Zeitraum von 1912 bis1914 angesiedelt ist, lassen sich einige Prachtstücke dieser Mantelgattung erspähen. Nach dem ersten Weltkrieg wurden jedoch auch die Roben des Durchschnittsmannes immer aufwändiger. Dieser Trend setzte sich unaufhaltsam fort, sodass Mitte der 20er Jahre modebewußte Herren der Wahl ihres Dressing Gowns mindestens genauso viel Aufmerksamkeit schenkten, wie der ihres Ausgehmantels.

In den goldenen 20ern und 30ern waren die Dressing Gowns generell eher lang und reichten fast bis an die Knöchel. Die in New York City beheimatete Firma A. Sulka & Company bot z.B. Exemplare aus französischen Flanellstoffen an, welche sehr breite, kontrastreiche Streifen hatte und dessen Gürtel mit vielen Franzen verziert war. Auch in Deutschland gab es in der Folge zahlreiche Hersteller von Dressing Gowns von denen die meisten heute nicht mehr existieren. Diejenigen Marken die noch übrig geblieben sind wie etwa Alpi, Laco, Edsor Kronen fertigen heute wenn überhaupt nur noch in sehr kleinen Maßstab diese eleganten Hausmäntel an. Neben den Modellen aus Flanell waren damals auch Brokat- und Jacquardstoffe aus Seide mit Phantasiemustern sehr beliebt. In den USA waren die Motive oftmals an andere Kulturen angelehnt und so sah man auf Dressing Gowns z.B. spanische Stierkämpfer oder Tänzerinnen, asiatische Drachen oder orientalische Szenen, welche in chanchierenden Gold-, Grün-, Burgund-, Lila-, und Blautönen daherkamen.

Abgesehen davon gab es auch Hausmäntel aus Wollflanell, Samt und sogar Vikuna! Manchmal wurden die Dressing Gowns auch im Paket mit ein paar Slippern an den Mann gebracht. Insgesamt gab es eine Robe in jeder Preislage, sodass sich so ziemlich jeder Herr einen Dressing Gown leisten konnte. Die meisten Modelle hatten damals fallende Revers und Knöpfe sowie eine Bordierung entlang der Revers, den Manschetten sowie den Taschen. Nur die dekorativen Roben wurden als Hausmäntel bezeichnet, während die einfacherern Exemplare als Bademantel charakterisiert wurden.

In den USA erlangte die Strandrobe vor allem in Palm Beach  Mitte der 30er Jahre große Popularität. Obowhl damals die Varianten mit Knöpfen noch zum Standard gehörten, sah man schon vereinzelte Wickelroben, die lediglich mit einem Gurt geschlossen wurden. In den Folgejahren entwichelte sich diese Art von Robe zum Standard bei Hausmänteln, was nicht zuletzt daran lag, dass so jeder Herr – egal ob dick oder dünn – in einem Ruck eine passenden Robe an- und ausziehen konnte.

Zeitgleich wurde auch der breite Schalkragen zusehends beliebter – vor allem bei Seiden- oder Woll Dressing Gowns, welche einen kontrastierende Bordierung aufwiesen. Farblich traf man nun häufig auf Roben in dunklem Rot und Schwarz vor allem, wenn diese eine weiße oder goldene Bordierung aufwiesen.

Dressing Gowns heute

Bedauerlicherweise gibt es heutzutage leider nur noch ganz weniger Männer, die zuhause einen Dressing Gown anlegen. Mangels Nachfrage nach diesem Kleidungsstück in den letzen Dekaden gibt es heute nur noch ganz wenige Hersteller qualitativ hochwertiger Dressing Gowns. Man bekommt zwar nach wie vor Modelle aus Baumwolle, Wolle, Seide oder Kaschmir, jedoch ist die Farbwahl meist sehr eingeschränkt und auch was die Verzierung und den Abwechslungsreichtum anbelangt, so ist alles doch recht eintönig geworden – einen Schalkragen aus gestepptem Samt sucht man heute meist vergeblich. Wenn man jedoch auf einen Dressing Gown stößt, so wird dieser heute meist einen Schalkragen sowie einen Wickelgut haben. Die meisten Roben sind wahrscheinlich aus Baumwolle und nur wenige aus Seide. Natürlich gibt es im Prinzip immer die Möglichkeit einen Hausmantel auf Maß anfertigen zu lassen zumal jeder Hemdenschneider sowas herstellen können sollte. Preislich ist dies jedoch für die Mehrheit der Herren zu hoch angesiedelt.

Die meisten Hersteller von hochwertigen Dressing Gowns sitzen heute wohl in Großbritannien. Meine Lieblingsroben sind entweder Second Hand oder stammen aus der Manufaktur von Daniel A. Hanson welche in Nottigham beheimatet ist. Als Adoptivsohn eines Anglikanischen Bischoffs kam Daniel Hanson schon sehr früh mit formellen Roben in Berührung und nachdem er sein Studium für Modedesign abgeschlossen hatte machte er sich 1989 als Hersteller von Dressing Gowns selbstständig. Hanson versucht ausschließlich das Beste vom Besten zu verarbeiten – seine Baumwolle stammt z.B. von einer speziellen Bioplantage in Texas. Manche seiner Roben werden mit Handstickerein verziert, was gut und gerne 150 Stunden in Anspruch nehmen kann. Diese absoluten Luxusroben schlagen dann aber auch mit £4500 zu Buche. Seine Dressing Gowns werden nur in wenigen, exklusiven Geschäften angeboten. Dazu gehören z.B. Harrods, Fortnum & Mason und Selfridges in London, Neiman Marcus, Bergdorf Goodman and Barneys in den USA oder Mitsokoshi in Japan. In naher Zukunft soll es auch die Möglichkeit geben direkt auf der Website von Daniel A. Hanson Dressing Gowns ordern zu können.

Abgesehen davon finden Sie Dressing Gowns bei Brooks Brothers Derek Rose, Drakes, New & Lingwood, Sean O’Flynn, Turnbull & Asser und Budd Shirtmakers in London, Charvet in Paris, und in Wien bei  Knize sowie bei Zum Jockey Club. Sollten Sie noch weitere Bezugsquellen kennen die hier nicht aufgeführt wurden, so lassen Sie es uns bitte wissen. Abschließend sei noch erwähnt, dass immer auch ein Blick in Second Hand Geschäfte lohnt, denn oftmals findet man dort einen Dressing Gown sprichwörtlich fürn Appel undn Ei!