Den Durchblick behalten – E.B. Meyrowitz

Da ich zu denjenigen gehöre, die schon seit ihrer Kindheit eine Brille tragen, hatte ich genügend Zeit um eine Leidenschaft für Brillen auszubilden. Für die meisten gehört eine Brille nicht zu den Dingen, die man z.B. wie ein Hemd täglich wechselt. Stattdessen trägt die Mehrheit der Brillenträger Tag ein, Tag aus die selbe Brille und nur manche schaffen es sich im Laufe der Jahre eine kleine „Garderobe“ an Brillen aufzubauen, aus der sie allmorgendlich ein Exemplar auswählen. Eine Brille ist oft eines der ersten Dinge die man an seinem Gegenüber wahrnimmt und deshalb wird sie oft ganz schnell zu einem aktiven Botschafter der Person oder zumindest des persönlichen Stils. Wenn man dann tatsächlich eine herausragende Sehhilfe findet, grenzt das schon fast an einer kleinen, äußerlichen Transformation.

Wie Sie sich denken können, bin ich immer auf der Suche nach einem neuen, interessanten Gestell. Nachdem ich schon mehr als ein Dutzend Mal daran vorbeigelaufen war, betrat ich während meines letzten Londonbesuchs endlich einmal das Geschäft des berühmten Optikers aus der Royal Arcade: E.B. Meyrowitz. Sheel Davison Lunley war so freundlich und nahm sich die Zeit mir zu erzählen, was das besondere an Meyrowitz ist.

Die Brillen

Beginnen wir mit den Brillen selbst. Die Standardlinien des Hauses bestehen sowohl für die Damen als auch für die Herren aus qualitativ hochwertigem Acetat in einem breitgefächertem Farbspektrum. Pulsierendes Blau, tiefes Purpurrot sowie ein fast leuchtendes Chartreuse all diese Farben werden hier gleich neben den uns allen so bekannten braunen, schildpattgemusterten und schwarzen Rahmen angeboten. Jeder Rahmen wird in Kleinserien von 12 Stück in den verschiedensten Größen und Farben von Hand hergestellt. Sollte Ihnen jedoch Farbe von Gestell A aber die Form von Gestell B gefallen und hätten Sie es vielleicht gerne noch ein wenig größer oder kleiner, dann kann Ihnen Meyrowitz  gegen einen relativ geringen Aufpreis praktisch ein Bespoke Brille fertigen. Als wenn das noch nicht genug wäre, sollte ich noch erwähnen, dass 90% der Rahmen in England hergestellt werden. Auch wird die Produktion langsam auf Frankreich, Deutschland, Indien und Marrakesch ausgeweitet. „Alles ist einfach schöner, wenn es von Hand gemacht wird, and daran glauben wir fest,“ sagt Davison Lungley.

Wenn Sie auf der Suche nach etwas ganz Außergewöhnlichem sind, werden Sie sicher bei Meyrowitz fündig, schließlich gibt es auch Gestelle aus Wasserbüffelhorn – natürlich stammt alles von einer zertifizierten und ethisch vertretbaren Quelle. Brillen von zweifelhafter Herkunft sucht man hier vergeblich, denn man bekommt ausschließlich die erstklassige Rahmen aus unverfälschten, zertifizierten Materialien. Wasserbüffelhorn ist z.B.  sehr feinporig und nimmt so die Öle Ihrer Haut über die Zeit auf und verändert deshalb seine Farbe ein bißchen. Auf diese Weise wird jede Hornbrille zu einem echten Unikat. Schildpatt (manchen wohl besser bekannt als Tortoise Shell) ist genau das Gegenteil davon; fein geschlieffen und poliert scheint es fast wie Glas. Dieses Material ist zweifellos eines der Schönsten, das die Natur zu bieten hat und zudem fühlt sich eine Brille daraus an wie Luft, wenn man sie einmal aufgesetzt hat. Natürlich setzte ich mir auch solch ein Prachtexemplar auf die Nase und hinterher musste ich meine ganze Willenskraft aufbringen um diese Brille vor dem Verlassen des Geschäfts wieder an die Wand zu  hängen.

Seien wir einmal erhlich, es gibt mehr als genug Orte an denen man gut aussehende Brillengestelle bekommt, die ziemlich gut passen, deren Gläser für einen scharfen Blick sorgen und das alles für ein moderates Sümmchen. Wenn Ihnen also „ziemlich gut“ und „gut aussehend“ genug sind, dann sind Sie bei E.B. Meyrowitz wohl an der falschen Adresse, denn hier kauft man nur das Allerbeste – das beste Produkt, den besten Service und die beste Optik. Als gelernte Optikerin, beginnt Davison Lungley bei jedem Kunden mit der Optik – erst wenn funktionell alles stimmt, nimmt sie sich mit Ihnen zusammen dem Design an.

Die Familie Meyrowitz

Wenn Sie online nach E.B. Meyrowitz suchen, so stoßen Sie zunächst auf eine französische Website eines Pariser Namensvetters. Es gibt heute sogar noch einen weiteren E.B. Meyrowitz (früher waren es dagegen mehrere) und alle drei sind absolut unabhängig voneinander. Davison Lungley ist sehr direkt wenn sie sagt:“Wir machen keine Werbung. Wir haben das nie gemacht und ich würde das gerne auch weiter so handhaben, wenn wir es vermeiden können.“ Das Geschäft erlangt seine Kundschaft bevorzugt durch Mundpropaganda. „Jemand läuft an unserem Geschäft vorbei, schaut herein, mag was wir anbieten und erzählt dies seinen Freunden, dem Bruder, der Mutter oder sonst jemandem. Was wir hier wirklich schätzen ist die Zusammenarbeit mit Familien.“ Was für den ein oder anderen wie eine abgedroschene Phrase klingen mag, setzt man bei Meyrowitz in die Tat um, und so arbeiten in dem Betrieb auch ihre beiden Schwestern sowie ihr Sohn.

Wenn Sie das erste Mal in den Laden kommen, werden Sie mit offenen Armen empfangen und Sie dürfen sich soviele Brillen aufziehen wie sie möchten. Auch werden Sie umgehend beraten. Danach können Sie einfach nach Hause gehen. „In keinster Weise geben wir einem Besucher das Gefühl, dass Sie unbedingt etwas brauchen. Ich weiß, dass dies eine gängige Praxis in anderen Läden ist, wo sie immer sagen „Lassen Sie sie nicht gehen“ – aber nicht bei uns. Wir möchten dass sie nach Hause gehen und von unseren Brillen träumen. Hoffentlich haben wir ein Kunstwerk geschaffen und wenn Sie dann zuhause sind denken Sie sich „Ich kann nicht ohne diese Brille.“ Wenn dann jemand  zurückkommt, dann freuen wir uns richtig.“

Auf die Frage hin ob sie irgendwelche exotischen Anfragen hatte, entgegnet sie nur: „Die Leute die hierher kommen, sind ziemlich clever. Wenn sie zu uns kommen, fragen sie nicht nach dummen Sachen, sondern sie wollen einfach nur gut aussehen. Ich glaube, und unsere Kunden sehen das generell genau so, dass die innere positive Gefühlslage nach außen hervortritt und demonstriert wer man ist. Hier kommt niemand her um anzugeben – ich hasse das. Sie wollen elegant und gut aussehen. Etwas das ihnen steht.“  Manchmal gefällt den Kunden die Brille wohl zu gut. „Ich habe Leute hier, die zu mir kommen und sagen, ich bin mit meiner Brille ins Bett gegangen. Sie war so bequem, dass ich ganz vergessen habe sie abzunehmen.“

So wie bei den meisten großartigen Produkten geht es auch Meyrowitz Brillen am Ende um die Leute die sie herstellen und diejenigen die sie tragen. Die Beziehungen, welche sich zwischen den Leuten durch so etwas Einfaches wie eine Brille ergeben, sind schon fast übernatürlich. Hinsichtlich ihrer Kunden, welche Sie über die Jahre getroffen hat, sinniert Davison Lungley: „Es ist eine wahre Freude all diese großartigen Leute zu treffen. Wir wissen nicht allzuviel über ihr Privatleben und das wollen wir auch nicht, aber wenn sie hierher kommen, dann sind sie ein Teil der Familie und es ist schlichtweg ein Privileg daran beteiligt zu sein. Wenn wir in den Ferien sind, stellen wir fest, dass wir unsere Leute vermissen und das ist wirklich etwas Besonderes.“

E.B. Meyrowitz
6 Royal Arcade
London W1S 4SF
Tel.: +44 20 7493 5778
Email: bespoke@ebmeyrowitz.co.uk
http://www.ebmeyrowitz.co.uk

 

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