Gemusterte Anzüge für den Frühling – Apparel Arts 1936

Nachdem wir erst vor ein paar Tagen den frühlinghaften Tennis Sweater vorgestellt haben, und davor schon einige Frühlings Outfits präsentierten, möchten wir Ihnen heute drei weitere Anzugkombinationen anhand einer Zeichnung aus dem Modemagazin Apparel Arts von 1936 zeigen.

Der Zweireihige Glencheck Anzug in Braun

Lassen Sie uns mit dem Herrn ganz links im Bild beginnen: Er trägt einen zweireihigen Anzug in braun mit einem bronzefarbenen und gelben Überkaro. Die Revers sind recht breit und reichen fast bis zur Schulter. Obwohl das Revers auf den unteren Knopf gechlossen wurde (4×1), erkennt man ganz klar das Knopfloch im Revers, welches darauf hinweist, dass der Sakko ursprünglich auf den oberen Knopf geschlossen wurde (4×2). Der Sakko wurde so geschnitten, dass die  Pattentaschen mit der untersten Knopfreihe auf einer Höhe liegen und weist außerdem über der Schulter sowie der Brust den London Lounge Drape auf. Überraschenderweise trägt der Herr selbst im Frühling unter dem Zweireiher eine passende Weste. Insgesamt ist das Ensemble wohl eher warm und daher eignet es sich bevorzugt für kühlere Frühlingstage.

Der Sakko wird mit einem champagnerfarbenen Hemd, einem grünen Pork Pie Hut aus rauhem Filz und einem passenden Einstecktuch kombiniert. Die Krawatte wurde aus leichter Wolle gefertigt und harmoniert mit den Grün- und Brauntönen dieses Outfits.

Die Hosen sind sehr füllig geschnitten und haben einen recht kurzen Umschlag, sodass sie sehr gut mit dem Drape Sakko harmonieren. Interessanterweise wurden dazu Krokoschuhe ausgewählt, die sich aufgrund ihrer Oberflächentextur vorzüglich für gemusterte Anzüge eignen.

Frühlings Anzüge Glencheck - Fensterakro - Apparel Arts 1936
Frühlings Anzüge Glencheck - Fensterakro - Apparel Arts 1936

Der Lovat-Grüne Kreidestreifenanzug

Der Gentleman in der Mitte trägt eine gänzlich andere Zusammenstellung als der Herr links. Zum einen hat sein einreihiger 3 Knopf Sakko fallende Revers und ein großen, nach unten gezogenen Kragen. Zum anderen ist auch hier der oberste Knopf auf den Darunterliegenden gerollt. Der offen gehaltene Abstich sowie die angeschrägten Pattentaschen lassen den Träger sehr dynamisch wirken. Achten Sie auch auf die Tickettasche – sie ist genau auf den Schließknopf ausgerichtet.

Der Anzug wurde aus Lovat-Grünem Cheviot Tuch geschneidert. Typischerweise ist Cheviot, ein härterer  Wollstoff in einer gröberen Twill Webart, welcher oft in einer gebrochenen Fischgratstruktur aufzufinden ist. Seinen Namen verdankt dieser Stoff übrigens den Schafen aus der  Cheviot-Region. Unser Herr im Bild trägt keinen Fischgrat Cheviot, sondern vielmehr dicke, blaue Kreidestreifen. Die Kombination von Kreidestreifen auf grünem Untergrund ist sehr außergewöhnlich aber ich muss sagen, mir gefällt er sehr gut.

Auch diese Hosen sind alles andere als schlank geschnitten und haben ebenfalls Umschläge. Wenn Sie ganz genau hinschauen, erspähen Sie sicher auch die Weste – damals war also selbst an warmen Frühlingstagen  ein Dreiteiler unabdingbar.

Das Ensemble wird durch ein blaues Oxford Hemd, eine gelb-grün-blau gestreifte Krawatte aus Seidenrips sowie ein weißes Einstecktuch ergänzt. Auf dem Kopf trägt er zudem eine Melone und an den Füssen schwarze Wingtip Schuhe. Außerdem trägt er hellbraune Handschuhe aus feinem Schweinsleder und in der Hand hält er einen Stockschirm und im Reversknopfloch eine Kornblume. Abgerundet wird das Outfit durch das für Pferderennen obligatorische Fernglas.

Der graue Fensterkaro Anzug

Zuletzt richtet sich unser Augenmerk auf den Herrn rechts im Bild. Er trägt einen mittelgrauen Flanellanzug mit einem leichten Fensterkaro. Genau wie der Herr links trägt auch er einen Zweireiher der eigentlich als 4×2 zugeschnitten wurde, nun aber auf den untersten Knopf gerollt wird. Anstelle von Pattentaschen, hat man hier am Sakko elegante Paspeltaschen angebracht. Kombiniert wurde dieser Anzug mit einem champagnerfarbenenen Hemd und einer weiß-schwarz karierten Wollkrawatte. Anstatt einer geschneiderten Weste trägt dieser Herr einen Strick-Pullunder. Der Kopf wird von einem braunen Snapbrim bedeckt welcher farblich auf die braunen Rauhlederschuhe abgestimmt ist. Zwar suchen wir hier vergeblich nach einem Einstecktuch, jedoch wird dieses durch das große Boutonniere standesgemäß vertreten.

Über seinem rechten Arm hängt ein fantastischer Mantel. Diese Art von Karo ist heute von der Stange schlichtweg nicht zu bekommen. Selbst wenn Sie sich für den Gang zum Maßschneider entscheiden, ist es wirklich schwierig solch ein Muster aufzutreiben.

Insgesamt fiel mir auf, dass alle drei Sakkos vier Ärmelknöfe hatten, welche traditionell eigentlich nur für die formellen Kleidungsstücke vorbehalten waren. Offenbar war diese Regel jedoch schon Mitte der 30er Jahre nicht mehr allzu verbindlich.

Unabhängig davon kann ich guten Gewissens behaupten, dass dies drei sehr außergewöhnliche Anzüge sind, die Sie so garantiert nicht von einem Konfektionshersteller finden werden. Sollten Sie daher einmal ein Länge eines Vintage Stoffes in einem dieser Muster ausfindig machen, schlagen Sie zu oder lassen Sie es mich wissen. So ein alter Stoff fällt in der Regel nicht nur gut, sondern er verhilft Ihnen außerdem zu einem ganz individuellen Anzug.

 

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