Hat Talk Debbie Henderson

Hat Talk von Debbie Henderson

Der Englische Autor John Mortimer soll einmal gesagt haben:“ To escape jury duty in England, wear a bowler hat and carry a copy of the Daily telegraph”. Auch wenn ich nicht weiß, ob dies heute noch genauso möglich ware, so kann ich mit Gewissheit sagen, dass heute bedeutend weniger Herren Hüte, geschweige denn einen Bowler tragen. Manche behaupten, das John F. Kennedy in den 60er Jahren den Trend zum Weglassen des Hutes auslöste, andere führen dies dagegen auf die zunehmende Popularität des Autos zurück.

Ungeachtet des Verschwindens des Hutes aus dem Straßenbild interessiert sich Debbie Henderson, welche einen Ph.D. hält und an der Wittenberg University Kostümdesign unterricht, schon seit jeher für Hüte. Diese Begeisterung ist dafür verantwortlich, dass sie schon vier Bücher zu diesem Thema Hut verfasst hat. Heute wollen wir uns ihrem im Jahre 2002 in englischer Sprache erschienenen Werk Hat Talk widmen. Es handelt sich dabei nicht nur um eine abstrakte Analyse der Hutmacherzunft und seiner Entwicklung, sondern vielmehr um eine Mischung aus Hintergrundwissen und Interviews mit Hutmachern und Fachleuten, welche einen sehr interessanten Einblick in die Welt der Hutindustrie gewähren.

Hat Facotry Danbury, Mallory
Hat Facotry Danbury, Mallory
Nach der Einleitung führt uns das erste Kapitel in die Stadt Danbury in Connecticut, in welcher im frühen 20. Jahrhundert ca. ein Viertel aller Hüte der USA hergestellt wurden. Der Name „Hatting Capital of the World“ überrascht daher kaum. In zweiten Kapitel widmet sich Henderson dann den großen amerikanischen Hutmarken wie Knox, Dunlap, Cavenaugh, Dobbs etc. Außerdem erläutert Bob Doran ziemlich ausfürlich die einzelnen 37 Schritte die zur Anfertigung eines echten Haarhutes notwendig sind: Zu Beginn eines jeden Hutes steht der Stumpen aus Haarfilz.Unter Filzen versteht man einen Vorgang, bei dem einzelne Fasern so ineinander greifen, dass ein einheitliches, nicht mehr auflösbares Gewebe entsteht. Im Gegensatz zu allen anderen Textilbereichen wird hier also die Faser nicht in einen Faden gesponnen um anschließend gewebt oder gestrickt sondern verfilzt. Die beliebtesten Rohmaterialen für Haarhüte stammen dabei vom Biber, Nutria, Hasen und Kaninchen. Für einen Hut benötigt man ca. 110 Gramm an feinem Haar. wobei hier nur Haar von bestimmten Stellen des Fells in Frage kommt. Um also auf die gewünschte Ausgangsmenge für einen Hut zu geleangen, benötigt man ca. 4 Hasenfelle. 1946 gab es weltweit ca. 600 Filzhersteller für Hüte und diese verarbeiteten 320,000,000 Felle. Im Jahre 1903 waren es sogar 600,000,000! Diese ungeheure Menge an Fellen kamen aus der ganzen Welt aber vor allem aus Australien, Europa und Asien.

Das dritte Kapitel besteht aus Interviews mit Jack Lambert, Gary Rosenthal und Robert Posey, welche in der Vergangenheit jeweils eine Hutfabrik leiteten. Diese drei Herren geben dabei einige Anekdoten über Stetson, Resistol und Stevens Hat Company zum Besten und erklären wie die Hutindustrie damals operierte.

Das folgende Kapitel ist dann ganz der Melone gewidmet. Hier erfahren wir, dass William Coke im Jahre 1850 den Hutmachern Lock in St. James den Auftrag für eine Melone gab und dieser Hut in der Folge in England zuerst nur als Coke bekannt war. Henderson reiste extra nach England um so viel wie möglich über die Melone zu erfahren.

Stetson Hat Advertisement
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Kapitel fünf ist dem Fedora gewidment, dem berühten Hut mit Snapbrim. Zunächst erfährt der Leser, dass der Begriff Fedora von Victorien Sardou’s Theaterstück Fédora abgeleitet wurde. Des weiteren werden die Charakteristika dieses Hutes erklärt, bevor in gleich 4 Interviews über den Fedora abgedruckt wurden.

Im darauffolgenden Kapitel dreht sich alles um den Strohhut. Neben dem Anfang der Strohhutes in den USA wird auch der Panama kurz behandelt bevor das Kapitel mit einem ausführlichen Interview endet.

Im siebten Kapitel wird dann auf lediglich sieben Seiten die Stoff- bzw. Tweedmütze besprochen, bevor man sich im letzten Kapitel der Probleme antiker Hüte annimmt. Einerseits sind alte Hüte oftmals in schlechtem Zustand und andererseits ist es oftmals schwierig sie zeitlich einzuordnen, da es z.B. im Vergleich zu Damenhüten weitaus weniger Modelle in bedeutend weniger Farben gab.

Im Anhang werden dem Leser dann Auszüge aus Stetson Hutkatalogen von 1913, 1914, und 1922 präsentiert und auch Biber und Nutria, welche die begehrtesten Haare für die Hutindustrie liefern, finden Erwähnung. Ebenso gibt es ein Kurzportrait des englischen Hutmachers John Wm. Mc Micking, welcher sich auf die authentische Anfertigung antiker Hüte spezialisiert hat.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich Hat Talk sehr gerne gelesen habe, da in den Interviews aufgrund der guten Fragen so manche Details zur Sprache kommen, die mir ansonsten wahrscheinlich für immer verborgen geblieben wären. Zudem sind die Fußnoten sehr hilfreich. Für nur $19.95 erhalten Sie ein Buch welches ausführlich die Amerikanische und Englisch Hutindustrie sowie ihre Entwicklung beschreibt. Jeder der sich für Herrenhüte interessiert oder gerne welche trägt sollte sich daher unbedingt dieses 152 Seiten umfassende Buch zulegen.

Zu beziehen ist das Buch am besten über die Autorin selbst. Für einen Aufpreis ist es jedoch auch bei Amazon USA erhältlich.

HAT TALK: Conversations with 20th Century Hatters

Von Debbie Henderson, Ph.D.

Taschenbuch: 152 Seiten

Verlag: Wild Goose Press; 1. Auflage (2002)

ISBN-10: 0965115364

ISBN-13: 978-0965115360

Preis: $19.95

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