History of Men's Fashion

Buchbesprechung: History of Men’s Fashion: What the Well Dressed Man is Wearing von Nicholas Storey

Trotz seines Titels ist dieses knapp 24 Euro teure, englischsprachige Buch weder ein Werk über die Geschichte der Herrenmode, noch eine Abhandlung über das, was der Herr von heute trägt. Vielmehr präsentiert Nicholas Storey, seines Zeichens englischer Barrister der heute in Brasilien lebt, auf 182 Seiten seine Ansichten hinsichtlich traditioneller Herrenkleidung. Zu seiner Verteidigung sei erwähnt, dass der Verleger den Titel auf eigene Faust und gegen Storeys Vorschläge festsetzte.

Nach der Einleitung und kurzen Ausführungen zur korrekten Alltagskleidung widmet Nicholas Storey den Löwenanteil seines Buch der formellen Tageskleidung, der formellen Abendkleidung , der traditionellen Jagd- und Sportbekleidung sowie den Hüten. Gegen Ende des Buches geht er dann noch kurz auf Accessoires wie z.B. Gehstöcke und Regenschirme ein und stellt einen Kleidungsratgeber für gewisse Veranstaltungen zur Verfügung bevor er sich zum Abschluss ein wenig der Kleiderpfelge widmet. Kapitelübergreifend findet man interessante Anekdoten rund um das Thema Herrenkleidung und so erfährt der Leser z.B. , dass die Krawatte in ihrer heute verbreitetsten Form bereits 1892 von Washington Tremlett kreiert wurde, Astrakhan nicht nur ein Pelz- sondern auch eine Stadt in Russland ist und „Kummerbund“ vom urdischen bzw. hindischen Wort kamarband abstammt, welches wiederum seine Wurzeln im persischen kamar hat und soviel wie „Taille“ bedeutet.

Auf den ersten Blick handelt es sich bei diesem Buch um ein sehr vom britischen Stil beeinflusstes Manifesto der Herrenkleidung. Dafür spricht zum einen die Tatsache, dass durchgehend teure Einkaufsadressen genannt werden, die sich allesamt in oder um London befinden, sodass alle außerhalb Englands wenig Nutzen daraus ziehen können. Zum anderen befürwortet der Autor sehr traditionell britische Regeln wie: „Tragen Sie stets dunkle Anzüge in der Stadt und keinesfalls Tweed oder gar braune- bzw. Wildlederschuhe es sei denn, sie befinden sich auf der Durchreise“ oder „Tragen Sie ausschließlich dunkle Hüte in der Stadt und verzichten Sie unbedingt auf Strohüte, Tweed oder Kappen“. Darüber hinaus wird die sehr britische Ansicht vertreten, zum Frack seien einzig und allein Lackpumps die korrekten Schuhe, während sowohl in Deutschland als auch in den USA ein glatter Lackoxford seit je eher ebenso anerkannt korrekte Frackschuhe darstellen. Weiterhin sind fast alle Quellen aus Großbritannien und auch die Anekdoten sind fast ausschließlich britisch.

Wenn man dann jedoch den Abschnitt über besonders formelle Tageskleidung liest, oder die Liste der notwendigen Hüte durchgeht, so wird deutlich, dass sich Herren in Großbritannien heute wie beschrieben kleiden. Zur erforderlichen Hutgarderobe des Herrn zählen nach Storey nämlich, ein Chapeau Claque, ein steifer Seidenglanzzylinder, ein grauer Zylinder, ein Bowler, ein Homburg, eine Auswahl an weichen Filzhüten, ein Panamahut, ein Tiroler Hut, ein Strohhut…Bestenfalls hatten Mitglieder der Londoner Gentry in der Vergangenheit solch ein umfassendes Arsenal an Hüten, aber selbst der kultivierte, britische Gentleman von heute wird wohl kaum solch eine Hutauswahl sein Eigen nennen können.

Wenn man also bedenkt, dass dieses Buch mit vielen kleinen Details aus den Bereichen Tages-, Abend- und Jagdkleidung gespickt ist, von denen auch viele Kleidungsinteressierte nicht den blassesten Schimmer haben, so wird klar, dass es nicht für den Berufsanfänger geschrieben wurde, der sich gerade seine Garderobe aufbauen möchte. Akzeptiert man jedoch, dass Storey nicht daran interessiert war einen Roetzel’schen Gentleman zu schreiben, sondern vielmehr seine subjektiven Meinungen und teilweise utopische Vorstellungen von heutiger Herrenkleidung zum Ausdruck bringen wollte, dann lässt sich das Buch ganz unterhaltsam lesen.

Leider bleiben die Bilder in diesem Buch sowohl qualitativ als auch inhaltlich hinter den Erwartungen zurück. Das mag zu einem kleinen Teil daran liegen, dass sie durchgehend nur in schwarz/weiß gedruckt wurden, im Gesamten sind die Bilder jedoch schon aus anderen Publikationen bekannt oder wenig aussagekräftig.

Zusammenfassend kann man sagen, dass History of Men’s Fashion nur ein Buch für die sartorial Fortgeschrittenen ist, die eine profunde Vorkenntnis in dem Bereich der Herrenmode aufweisen. Allerdings ist dieses Buch auf keinen Fall für Anfänger geeignet und ebenso wenig handelt es sich um ein Werk  über die Geschichte der Herrenmode.

Beziehen lässt sich das Buch z.B. über Amazon für 23,99 €.

History of Men’s Fashion: What the Well-Dressed Man Is Wearing

Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Remember When
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1844680371


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  1. […] in einer Reihe von drei Büchern. Letztes Jahr hatten wir schon eine Rezension über das erste Buch History of Men’s Fashion: What the Well Dressed Man is Wearing geschrieben und schon bald soll auch der letzte Teil der […]

  2. […] the Well Dressed Man is WearingNachdem wir erst kürzlich eine Rezension über Nicholas Storeys History of Men’s Fashion: What the Well Dressed Man is Wearing schrieben, kam nun schon das nächste Buch aus der Feder desselben Autors auf dem Markt. Diesmal […]

  3. […] und Fliegen (auch für die Schleife mit nur einem Ende) sowie für den Hunting Stock. Ähnlich wie Storey listet er in der Folge alle möglichen Accessoires auf wobei er es nicht bei einer Nennung belässt, […]

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