John Lobb – ein bleibender Eindruck

Die bekannte Redewendung: „If the shoe fits, wear it.“ (Wenn der Schuh passt, tragen Sie ihn) schien mir seit je her unvollständig zu sein und so nehme ich mir die Freiheit ihn durch die Worte „If it doesn’t, go bespoke“ (Wenn er nicht passt, dann müssen Maßschuhe her) zu ergänzen. Vor ein paar Tagen durfte ich im Londer Stadtteil St. James’s die am längesten existierende Schuhmacherdynastie der Welt besuchen. Die Herren John und Jonathan Lobb waren so nett, sich mit mir zu treffen und mir eine Tour durch deren Maßschuhwerkstätte zu geben. Diese befindet sich im Untergeschoss des Hauses, welches einst dem zechenden Lord Byron gehörte – unser Nachmittag war jedoch von weitaus weniger Sherry geprägt.

Die Geschichte von John Lobb

Beide Lobbs, der eine aus vierter-, der andere aus fünfter Generation, sind nicht nur Leistenmacher, sondern sie verwalten gemeinsam ihren Familienbetrieb. Mitte des 19. Jahrhunderts, machte sich der allererste Lobb zu Fuß auf den Weg von Cornwall nach London und aufgrund einer Mischung aus Glück und Begabung machte er sich schon bald danach einen Namen als Stiefelmacher des Königs Edward VII. Über den Zeitraum der letzten eineinhalb Jahrhunderte haben Lobbs im Herzen von SW1 einige der feinsten Schuhe der Welt hergestellt.

„Ich glaube ich war 19 oder so als ich mein erstes Paar Schuhe bekam“ sagt Jonathan Lobb, „man muss warten, bis der Fuß aufhört zu wachsen, ansonsten ist es reine Verschwendung. Mein Vater nahm meine Maße und formte daraus eigenhändig einen Leisten, wodurch zusätzlich eine Familienbindung geschaffen wurde, so wie man es von einem Lobb erwarten würde. Man schätzt die Schuhe mit jedem Jahr mehr, vor allem nach 15 Jahren.“ Nachdem Jonathan die Universität hinter sich gelassen hatte, kehrte er zu seinen Wurzeln zurück und begann seine Schuhmacherlehre. Wie jeder Lehrling musste auch er sich an allen Schritten des Schuhemachens versuchen und so lernte er das Zuschneiden des Leders, das Schäftemachen, das Nähen, das Anfertigen des Leistens und alles andere was für das Handwerk erforderlich ist. Schließlich entschied er sich, genau wie sein Vater, nur noch Leisten herzustellen, worauf er bis heute mächtig stolz ist – und das zurecht.

Wie immer ganz bescheiden sagt er:„Man lernt nur, wenn man arbeitet. Ich würde sagen während der ersten 10 Jahre oder so war ich kein ausgelernter Handwerker.“ Jeder Handwerker konzentrierte sich auf einen Bereich des Schuhmachens, für welchen er dann sehr gut ausgebildet wurde – jeder dieser Schritte unterscheidet sich komplett voneinander.

Der Lobb Maßschuh

Ein Maßschuh beginnt mit dem Leistenmacher. Er misst die Füße des Kunden aus, um daraus in Handarbeit einen Leisten aus Buchenholz zu erstellen. Buche ist hart genug um die Robustheit des Leistens zu garantieren und gleichzeitig weich genug um alle Feinheiten des Fußes akkurat auf den Leisten zu übertragen, sodass am Ende die Passform perfekt ist. Nachdem der Leisten erstellt wurde, muss ein Schnittmuster für die Schäfte erstellt werden. Mit Hilfe dieser Mustern schneidet der Zuschneider (Clicker) dann die einzelnen Schaftteile zu. Diese Einzelteile werden dann vom „Closer“ zusammengenäht. Der Leisten, der Schaft sowie die zugeschnittenen Lederteile wie Absätze, Ledersohle, Brandsohle etc. werden dann alle zusammen an den Schuhmacher (Maker) weitergeleitet, welcher den Schuh dann zusammenbaut. Danach bedarf es nur noch des Ausputzes sowie der Politur und fertig ist der Schuh.

Das klingt alles so einfach, doch in der Zwischenzeit finden mit dem Kunden Anproben statt, bei denen sicher gestellt wird, dass der Leisten sowie der Schuh perfekt an den Fuß angepasst wird. Auf diese Weise werden bei zukünftigen Schuhen weniger Änderungen nötig sein. Danach werden die Leisten kopiert um daraus passgenaue Schuhspanner zu fertigen. Wenn Sie dann ihre schönen Stücke mit nach Hause nehmen, wandert Ihr Leisten in den Gewölbekeller unter der St. James’s Street wo er sich zu tausenden von Artgenossen gesellt. Dort befindet er sich in guter Gesellschaft von berühtem Autoren, Künstlern und öffentlichen Personen. Der ganze Prozess kann Monate dauern, aber es lohnt sich auf jeden Fall.

Da sich die Zeit ändern, und die meisten weniger oft „schick“ aus dem Haus gehen, fertigt Lobb heute mehr Halbschuhe für Freizeitzwecke und weniger Stiefel und Abendschuhe. Wenn Sie im Bild rechts ganz genau hinschauen, können Sie am Ende der Reihe ein Paar Lackpumps entdecken – besser kann man einen solchen Schuh nicht fertigen. Wenn man von meinen persönlichen Vorlieben einmal absieht, so gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass die Nachfrage bei Lobb nachlässt. Während andere Betriebe Schwierigkeiten haben geeigneten Nachwuchs zu finden, sagte mir Jonathan, dass Lobb nie nach Lehrlingen suchen musste. Die Besten kommen ganz von selbst zu Ihnen, und nur die Besten der Besten erhalten eine Lehrstelle – das überrascht kaum.

John Lobb Video

Klicken Sie bitte hier um sich ein interessantes Video über Lobb St. James’s anzuschauen.

John Lobb

9 St. James’s Street
London
SW1A 1EF
www.johnlobbltd.co.uk
email: enquiries@johnlobbltd.co.uk
Tel:+44 20 7930 3664
Fax:+44 20 7930 2811

Öffnungszeiten:

Montag-Freitag: 9 – 17:30 Uhr
Samstag: 9- 16:30 Uhr

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