Buchrezension: Makers of Distinction von Thomas Girtin

Letztes Jahr schrieben wir eine Buchrezension über Sydney Barneys “Clothes and the Man”, welches einen Kleidungsratgeber für Londoner Gentlemen darstellt. Heute möchten wir Ihnen Thomas Girtins Bücher “Makers of Distinction: Suppliers to the Town & Country Gentleman” sowieNothing but the Best: The Tradition of English Craftsmen from Edwardian to Elizabethan” vorstellen. Beide wurden in derselben Zeit wie “Clothes and the Man” veröffentlicht, wobei Sie die Handwerker porträtieren, welche all die schönen Dinge für genau diesen Londoner Gentleman herstellen. Manche werden sich vielleicht wundern, weshalb hier gleich zwei Bücher eines Autors vorgestellt werden. Die Antwort darauf ist ganz einfach: es handelt sich um das gleiche Buch! Beide wurden 1959 erstmalig veröffentlicht, wobei “Makers of Distinction” für den Britischen Markt gedacht war, während der Titel mit dem superlativ “Nothing but the Best”naturgemäß für die USA vorgesehen war.

Zunächst möchten wir ein paar Worte über den Autor Thomas Girtin verlieren, bevor wir uns den Büchern widmen.

Thomas Girtin

Der britische Autor Thomas Girtin wurde 1913 geboren und studierte später Jura an der Shrewsbury School sowie dem Pembroke College in Cambridge, England. Während des zweiten Weltkrieges war er bei der Köngilichen Artellerie untergebracht und verbrachte so die gesamte Kriegszeit im Großraum von London.

Zu dieser Zeit entwickelte sich auch der mannigfaltige Charakter Girtins. Als Papierrationierungen das Schreiben schwierig gestalteten, eröffnete er zusammen mit seiner Frau ein Pub und später entwickelte er ein ausgeprägtes Interesse für den Tuch- & Wollhandel. Außerdem verfasste er eine Biografie über Dr. John Wolcot, einem wilden Satiriker aus dem 18. Jahrhunderts, sowie zwei Krimis.

Makers of Distinction & Nothing but the Best

Obwohl die beiden Bücher gänzlich unterschiedlich aufgemacht sind, ist ihr Inhalt nahezu identisch. Sie unterscheiden sich lediglich durch das Papier, die Seitennummerierung sowie der Tatsache, dass in der englischen Version einige Fotos eingeflossen sind, während es in der Amerikanischen nur zu wenigen Zeichnungen reichte. Deshalb wird in der Folge immer nur von einem Buch die Rede sein.

Das Buch ist in 15 Kapitel untergliedert in denen Girtin über allerlei Handwerke schreibt. Das Spektrum reicht von der Schneiderei, über das Hemdenmachen, die Hutherstellung, die Schuhmacherei, Büchsenmacherei hin zu Regenmänteln, Handschuhen, Gehstäcken, Angeln, Satteln, bis zu Regenschirmen und Schmuck. Jedes Handwerk wird ausführlich beschrieben wobei es der Autor versteht, historische Fakten mit Anekdoten über die berühmte und manchmal extravagant komische Kundschaft abzuwechseln. So erfährt man z.B. dass Mr. Hawes, der Gründer dessen was heute unter dem Namen Hawes & Curtis bekannt ist, nicht nur die rückenlose Abendweste erfand, sondern mit seinem Erfindergeist auch einen Dressing Gown mit angenähtem Schal entwickelte, der sich jedoch unter den Londoner Gentlemen nicht wirklich durchzusetzen vermochte.

In seinem Buch beschreibt Girtin ausnahmslos britsche Traditionshandwerker, von denen die allermeisten in London beheimatet sind. Zudem analysiert er wie es um die Zukunft verschiedener Handwerker bestellt ist. Schon damals befand sich zum Beispiel der Beruf des Sattlers auf dem absteigenden Ast, während hingegen der Beruf des Angelmachers noch sehr gefragt war.

Außerdem beschreibt der Autor die goldenen Jahre der Handwerker zu Zeiten von Edward VII und erzählt von der klubähnlichen Atmosphäre in den Londoner Shops. Dort konnte sich der feine Herr gemütlich bei einer Zigarre den ganzen Vormittag damit beschäftigen zu plaudern und sich die richtigen Hemdenstoffe herauszusuchen. Auch war es damals z.B. undenkbar, dass man seine Hemden zur Reinigung jemandem anderen als dem Hemdenmacher anvertrauen könne. Zudem schreibt er eher abfällig über die nouveau riche, welche schon damals keinen Sinn für das Maßhandwerk zeigten und ihm generell eher wenig Wertschätzung gegenüber zeigten. Interessanterweise wurden schon in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fast zwei Drittel aller Maßschuhe für amerikanische Kunden hergestellt. Die USA hat also zumindest das Aussterben des Handwerks in vielen Bereichen stark verlangsamt wenn nicht sogar gestoppt.

Leider findet man in dem Buch nur wenige Bilder, was bedeutet, dass die einzelnen Handwerksschritte den meisten wohl ein Stück weit unklar bleiben werden. Gerade ein Buch über die Handwerksberufe hätte enorm von einer Reihe guter Fotos profitiert.

Zusammenfassung

Makers of Distinction, ebenfalls bekannt unter Nothing But the Best Makers of Distinction bzw. Nothing but the Best sind eine Ode an das Handwerk sowie die Gesellschaft, die schon damals diese Art von Qualitätsarbeit zusehends weniger zu schätzen wusste. Wenn in diesem Buch noch mehr anschauliche Fotos abgebildet wären, dann hätten wir es mit einem absoluten Geheimtipp zu tun. So bekommt man schlichtweg ein gutes Buch über die Handwerksbetriebe Englands.

Beziehen lässt sich das Buch wohl am besten über das Internet. Bei amazon gibt es einige Exemplare für unter 25 EUR.  Bestellt man jedoch von der Insel,  dann sollte man es jedoch weitaus günstiger bekommen.

 

 

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