Nadelstreifen Kreidestreifen Anzug

Kreidestreifen oder Nadelstreifen?

Angestoßen durch mein Kreidestreifenoutfit hat sich bezüglich des Stoffes eine Frage aufgeworfen –  handelt es sich dabei um einen Kreidestreifen oder um einen Nadelstreifen?

Es gibt eine Vielzahl von Streifen, welche sich nicht alle exakt einer Kategorie zuordnen lassen. Andere dagegen schon – so z.B. der Kreidestreifen und der Nadelstreifen.

Nadelstreifen

Der bekannteste Streifen ist dabei der Nadelstreifen, welcher im Englischen pin stripe genannt wird. Darunter versteht man einen einzelnen Streifen der oftmals kaum einen Milimeter breit ist, und so aussieht, als ob ein einzelner Faden mit einer Nähnadel durch den Stoff gezogen wurde. Bei genauer Betrachtung sieht es so aus als ob der Streifen aus vielen, kleinen nadelspitzgroßen Punkten besteht.  Erzielt wird dieser Effekt durch einen andersartigen Kettfaden. Die Abstände zwischen den Streifen variieren dabei meist zwischen  einem Viertel Zentimeter und zweieinhalb Zentimeter

Kreidestreifen

Ein ebenso bekannter Streifen ist der Kreidestreifen. Hier werden viele hellere Fäden so eingewebt, dass ein Streifeneffekt entsteht, als hätte man mit der Schneiderkreide  eine Linie gezogen. Die Breite der Streifen ist dabei nicht einheitlich, jedoch in der Regel um ein vielfaches breiter als der Nadelstreifen.

Manchmal ist zu lesen, dass Kreidestreifenstoff zwangsläufig eine fusselige, verwaschene Oberfläche haben müsse, während der Nadelstreifen klare Konturen aufweise. Dies erscheint mir jedoch keineswegs zwingend. Zwar gibt es viele Kreidestreifen aus Flanell, sodass diese einen leicht haarigen oder fusseligen Eindruck erwecken – dies liegt jedoch oft am zumindest zum Teil am Flanell und definiert nicht die Streifenart an sich. Beispielsweise kann ein Kreidestreifen genauso gut auf einem Frescostoff oder einem Kammgarnstoff auftauchen. Ebenso verhält es sich mit dem Nadeltstreifen. Zwar sieht man ihr sehr häufig auf Kammgarngeweben, es spricht jedoch nichts dagegen, einen Flanellnadelstreifen zu haben, der dann ebenso leicht fusselig ist.

Im Englischen trifft man zudem manchmal noch auf die Bezeichnung rope stripe, welcher der Struktur eines Seils nachempfunden sein soll. Viele ordnen diesen Streifen jedoch ebenfalls als Kreidestreifen ein, da es kein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal gibt. Weiterhin gibt es noch eine Vielzahl von anderen Streifen, wie Schattenstreifen, Pencilstreifen, Selbststreifen, Kohlestreifen etc. auf die ich hier aber nicht näher eingehen möchte, da sie nicht mit der Ausgangsfrage zu tun haben.

Abschließend lässt sich sagen, dass es anscheinend keine allgemeingültige Definition für Nadelstreifen und Kreidestreifen gibt. Dies wird dadurch unterstrichen, dass teilweise sogar von einem breiten Nadelstreifen die Rede ist, sodass endgültig keine Klarheit mehr herrscht. In jedem Fall sollte der Namen des Streifens keine Rolle für Sie spielen – wenn Ihnen der Streifen gefällt, dann tragen Sie ihn einfach!

Einige Stoffbilder wurden uns mit freundlicher Genehmigung von Rian Taylor vom Stoff Hersteller Huddersfield Cloth zur Verfügung gestellt.
Quellen:
The Fairchild Encyclopedia of Menswear, 2007
Fashion Dictionary, Vergani, 2006
Encyclopedia of Clothing and Fashion Vol III, Steele, Breward, Major, Eicher, Tortora, 2005
Esquire’s Encyclopedia of 20th Century Men’s Fashions (Hardcover), O.E. Schoeffler, 1973
Lexikon der Herrenmode, Eelking, 1960
Dictionary of Textiles, Fairchild 1920
Textiles and Clothing, Watson, 1916