Regent

Regent Werksbesichtigung in Weißenburg

Kürzlich trafen sich an einem sonnig-herbstlichen Montagmorgen ein paar Stilaficionados  im fränkischen Weißenburg aus nur einem ganz bestimmten Grund – die Führung durch die 1946 von Henryk Barig und Dr. Michael Aisenstadt gegründete Manufaktur REGENT.

Einleitung & Historie der Anzugmanufaktur Regent handtailored

Es stand eine vom Stilmagazin organisierte Werksbesichtigung dieser exklusiven Manufaktur an. Herr Schallmey, seines Zeichens Leiter des Werksverkaufs und Mitinitiator dieses einmaligen Events, empfing die ersten Besucher die teilweise von weit her angereist waren. Denn zum ersten Male in seiner 54 jährigen Geschichte öffnete Regent seine Pforten für Interessierte und gewährte Einblicke in das Herzstück des Unternehmens – die Produktion.

Auf dem Weg in den sehr eleganten Präsentationsraum des Hauses Regent schritten wir vorbei an Bildern bekannter und berühmter Regent Kunden – Richard von Weizäcker und Helmut Schmidt hingen dort ebenso an der Wand, wie der umtriebige Sternekoch Dieter Müller. Wenn der kommt – sagte Betriebsleiter Martin Kury – dann freue er sich besonders. Denn dann gäbe es stets leckere kulinarische Kleinigkeiten.

Herr Kury begann die Tour mit einer kurzen Biografie des Hauses Regent, welches nach einigen Hochs und Tiefs nun unter der Ägide des italienischen Textileigners Tombolini steht. Mit diesem Wechsel wurde die zwischenzeitlich nach Polen ausgelagerte Fertigung wieder nach Weißenburg zurückgeholt, was einen wesentlichen Schritt zurück zu altem Glanz darstellte. Die sehr aufwändige sartoriale Fertigung ist das Kernstück dieser heute wieder einzigartigen Manufaktur. In der Tat sind die Qualitätskriterien im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren nochmals erhöht worden, sodass Regent heute in der Oberklasse rangiert und den Vergleich mit Kiton, Brioni etc. nicht zu scheuen braucht. Ganz im Gegenteil, teilweise überflügeln die Weißenburger sogar die gesamte Konkurrenz.

Die Fertigung – Zuschnitt, Einlage, Pikieren, Schneidern

Nach der Einleitung durften wir die Hallen der Manufaktur betreten, wobei uns Herr Kury zunächst in die Schnittabteilung führte, in der die einzelnen Schnitte an Computern bearbeitet werden. Hier werden nicht nur die momentan angebotenen Modelle kreiert, sondern auch die vielen individuellen Details der Einzelanfertigung inkorporiert. Die fertigen Schnittmuster werden dann mit Hilfe eines Plotters auf ein spezielles Papier aufgetragen. Die so entstehenden Schnittmuster werden danach auf die Stoffbahnen gelegt und einzeln von fachkundiger Hand manuell zugeschnitten. Dabei spielt die Erfahrung des Zuschneiders eine große Rolle -er bestimmt letztendlich den finalen Schnitt des Kleidungsstückes. Regent praktiziert also einen Einzelzuschnitt welcher kaum von einem Konfektionär angeboten wird.

Die Frontpartien der Sakkos werden dann mit einer speziell für Regent hergestellten Fronteinlage versehen. Alle Einlagen bestehen aus einer Mischung von Leinencanvas und Rosshaar. Die genaue Zusammensetzung der Einlage wird individuell nach Stoff und Art des Sakkos bestimmt, und dann in bestimmten Schritten zusammengefügt. D.h. für jeden Typ Sakko wird eine spezielle geeignete Einlage verwendet. Der Aufbau dieser ist eines der Betriebsgeheimnisse, mit dem Regent seine besondere Stellung wahrt.

Die Einlage wird lose geheftet, denn bei Regent wird zum heutigen Zeitpunkt an keiner Stelle eine geklebte Fixierung eingesetzt. Immer wieder werden während den einzelnen Arbeitsschritten die Teile in Form gebügelt – ganz so wie es auch der Schneider machen würde. Erfahrene Schneiderinnen bearbeiten jeden Stoff auf eine  andere Art und Weise um so die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Die Frontpartie wird dann von einer Einfaden Blindstich Maschine – und die Revers vom bekannten Strobel Rollpikierautomat nach traditioneller Art pikiert. Dieser Schritt verbindet die Einlage mit dem Oberstoff und gibt dem Sakko nachher eine rollendes Revers sowie die schwingende Flexibilität die eine lose Verarbeitung qualitativ weit über der geklebten Fixierung stellt.

Immer wieder werden an speziellen Stationen die einzelnen Schritte in derVerarbeitung kontrolliert und mit den Vorgaben überprüft. Nur so kann höchste Qualität gewährleistet werden.

Nachdem dieser Prozess abgeschlossen ist, werden die Innentaschen geschneidert. Das Futter wird zugeschnitten, wobei alle Schritte bei Hand von erfahrenen Schneiderinnen ausgeführt werden. Danach verbindet man die einzelnen Schnitte und man kann dann schon eine grobe Form des finales Sakkos erkennen.

Die Feinarbeiten – Handkante, Handknopflöcher, Knöpfe,  Formbügeln

Manche Fertigungsschritte werden dabei vollkommen von Hand ausgeführt – genauso wie in der traditionellen Maßschneiderei. Einer dieser Schritte ist die Handkante bzw. Schneiderkante. Normalerweise wird sie heute in der Konfektion, soweit überhaupt vorhanden, mit Hilfe einer AMF Maschine genäht die diese ursprünglich von Hand ausgeführte sichtbare Naht imitiert. Bei Regent wird diese noch komplett von Hand gemacht ohne Einsatz einer Maschine – ein sehr zeit- und somit auch kostenintensiver Vorgang.

Der Kragen wird ebenfalls von Hand geheftet und genäht – ein weiteres wesentliches Merkmal exzellent verarbeiteter Sakkos. Während unseres Aufenthalts konnte man immer wieder sehen wie zwischen den Arbeitsschritten gebügelt und kontrolliert wird.

Als nächstes Sind die Knopflöcher an der Reihe. Wie es sich für ein Top Produkt seiner Klasse gehört werden die Knopflöcher von erfahrenen Knopflochnäherinnen von Hand umsäumt.

Umfangreiche Bügelarbeiten geben dem Sakko dann den finalen Schliff – dies nimmt ebenso einige Zeit in Anspruch.

Als nächstes werden die speziell für Regent von der Augsburger Knopffabrik gefertigten Knöpfe mit den berühmten drei Löchern sorgfältig von Hand angenäht.

Zuletzt wird nochmals das gesamte Sakko kontrolliert und gegebenenfalls anfallende Feinarbeiten vorgenommen.

Nur ein perfektes Teil gelangt in den Verkauf, denn der Regent Kunde soll all die vielen mit Leidenschaft gemachten Arbeitsschritte durch ein besonderes Tragegefühl spüren und so viel Freude an seinem Kleidungsstück haben.

Regent GmbH
Augsburger Straße 58-60
91781 Weißenburg
Tel.:+49 (0)-9141-870-0
Fax.:+49 (0)-9141-870-193
www.regent-tailor.de
Email: info@regent-tailor.de

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