Sommermoder der 30er und 40er Jahre

Sommermode im Deutschland der 30er und 40er Jahre

Bevor sich der Sommer bald dem Ende zuneigt, wollten wir Ihnen noch einmal ein paar Sommeroutfits anhand einiger Modezeichungen aus den 30er und 40er Jahren vorstellen.

Sobald die wärmende Sommersonne den Menschen frei von dem Ballast seiner Überbekleidung macht, verändert sich das Äußere des Herrn und der elegante Sakko-Anzug beherrscht das Straßenbild. Elegant sein, heißt unauffällig sein…

So die einführende Beschreibung der Sommermode Katalog von Kossak & Boehme, Leipzig aus dem Jahre 1939.

Während die Eleganz allemal garantiert ist, dürfte das “unauffällig sein“ dagegen mit solch Sommerkleidung heutzutage zugegebenermaßen etwas schwierig werden, ist das Verständnis der Kleidung für die heißen Tage doch gänzlich ein anderes. So ist der Anzug oder die Kombination außerhalb der Geschäftsmode doch eher eine Seltenheit im Straßenbild, besonders in sommerlichen Farben und Dessinierungen. Doch auch Abseits der korrekteren Garderobe bietet sich eine breite Auswahl an möglichen Sommeroutfits, die trotz hoher Temperaturen angenehm zu tragen sind und ein schickes Kleidungsbild erlauben.

Davon möchte ich Ihnen mit einigen Bildern aus deutschen Modemagazinen der 30er und 40er Jahre eine kleine Auswahl präsentieren.

Sommeranzüge, aufgesetzte Tasche, Spectators & Hüte
Sommeranzüge, aufgesetzte Tasche, Spectators & Hüte

Anzüge & Sakko’s

Eine schöne Übersicht verschiedener Anzugarten zeigt dieser Modevorschlag aus dem Jahre 1939. Der legere Anzug mit Sportjackett mit aufgesetzten Taschen, fallendem Revers und einfachem Schließknopf, gepaart mit einer orangeroten Polka-Dot Krawatte, sowie für den Tagesausflug passende two-tone wingtips.

Formeller hingegen zeigt sich Der Herr in der Mitte in einem wunderbaren, stahlblauen Kreidestreifen Anzug mit leicht geschwungenem Spitzrevers. Wie auch bei diesem Zweireiher findet sich bei sommerlichen Modellen gerne eine 2×1 Schließfront, was einen etwas “luftigeren“ Tragekomfort zulässt, als bei einer hochgeschlossenen Fasson. Zum Anzug wäre hier auch eine gelbfarbene Krawatte passend.

In einer klassischen Kombination aus dunklerem Sakko in Glencheck Musterung und heller Hose aus Garbardine oder Flanellstoff präsentiert sich der Gentleman zur Rechten. Während das schwarze Hemd sowohl für Sommer wie Outfit etwas ungünstig wirkt, ist die gewählte Krawatte mit roten Polka-Dots eine sehr gelungene Wahl. Neben den bereits erwähnten two-tone Modellen trägt dieser Herr einen weiteren, klassischen Sommerschuh aus weißem Leder. Natürlich tragen die Herrschaften Hut, für den sich ganz besonders im Sommer ein breite Auswahl an Formen und Farben findet.

Kombinationen in Hahnentritt, Fensterkaro & Flanell
Kombinationen in Hahnentritt, Fensterkaro & Flanell

Kombinationen mit auffälligerer Musterung wie diesem kräftigen Hahnentritt sowie breitem Fensterkaro zeigt dieses Bild von EMZ Dresden, ebenfalls aus den 30er Jahren. Rechts wiederum eine sehr klassische Paarung aus marineblauem Zweireiher, hier eine 6×2 Schließfront, sowie grauen Flanellhosen und weißen Schuhen. Neben einer Boutonniere trägt dieser Herr den unteren Schließknopf geöffnet, und komplettiert sein Auftreten mit der seinerzeit zum Strandoutfit beliebten Kapitänsmütze.

Der Strawboater wie ihn der Herr in der Mitte trägt, ist eine weiterer Klassiker aus der Familie der Strohüte, der heute zwar noch kaum gesehen, aber allemal tragenswert ist. Beachtenswert bei diesem Gentleman ist die schlüssige Kombination aus kariertem Sakko, gestreifter Krawatte und unifarbenem Hemd. Außer den aufgesetzten Taschen hat dieses Sakko keine Brusttasche.

Grau, schwarz & weißer Anzug & Anzugkombination mit Kreidestreifensakko
Grau, schwarz & weißer Anzug & Anzugkombination mit Kreidestreifensakko

Eine sehr schöne Zusammenstellung und weitere Variante zeigt dieser Herr im offen getragenen Sakko auf einem rotem Schlupfhemd mit halber Knopfleiste. Sportlich und elegant zugleich! Mit einem farbigen Seidenschaltuch in blau, grün oder gelb im geöffneten Hemdkragen könnte hier noch eine individuelle Note beigeführt werden. Im Gegensatz zu den meisten Bildern hier einmal gut zu sehen der hohe Bundansatz der Hose, welcher über dem Bauchnabel in Taillenhöhe getragen wird.

Farblich weniger interessant dagegen der Herr im feinkarierten, grauen Fresko-Anzug. Neben leichtem Flanell, Seersucker oder Leinen ist Fresko aufgrund der lockeren Leinwandbindung und porösen Struktur ein beliebter Sommerstoff.

Knickerbockers, kurze Hosen und Freizeitoutfits
Knickerbockers, kurze Hosen und Freizeitoutfits

Slacks & Shorts

Während die Knickerbockerhose bereits in den 40er Jahren an Popularität verloren hat, und heute wenn überhaupt noch bei Oldtimerfahrern oder dem ein oder anderen Golfer zu sehen ist, so zeitlos ist das Outfit aus Bundfaltenhose und sportlichem Hemd. Sommerlicher Tragekomfort und Eleganz! Auch lassen sich hier mit den sonst bedeckten Gürteln schöne farbige Kontraste finden.

Kurze Hosen erfreuen sich unter stilbewußten Herren heute nicht gerade großer Beliebtheit, dennoch kann eine Short mit Bundfalten und Aufschlägen aus hochwertigem Stoff durchaus kleidsam sein. Die damals obligatorischen, wadenhohen Strümpfe dagegen dürften heute wohl eher mäßigen Anklang finden.

An Schuhmodellen sieht man hier neben Full -und Half-Brogue Modellen den seitlich mit einer Schnalle besetzten Monk.

Wilde Entwürfe von Herrenjacken für den Sommer
Wilde Entwürfe von Herrenjacken für den Sommer

Jackets & Shirts

Für (heute) ausgefallene Jackenmodelle bietet folgendes Bild wunderbare Inspiration. Besonders gelungen zur linken ist die taillenlange Reversjacke mit Gürtelbund.

Als lange Version eine Safariähnliche Kurzarmjacke, ebenfalls mit Gürtel geschlossen, und geschrägten paspelierten Taschen. Zuletzt ein damals gängiges Freizeitmodell, mit zwei aufgesetzten Brusttaschen und eng anliegendem Bund. Individueller ist hier die kragenlose Fasson.

Besonders an sommerlichen Jacken scheint die heutige Modewelt für den Herren nicht allzuviel erwähnenswertes herzugeben, was in Anbetracht dieser schönen Modelle recht schade ist. Lediglich einige wenige auf Vintage-Reproduktionen spezialisierte, kleine Unternehmen stellen solche Jacken heute her. Welche davon ist ihr Favorit, und würden Sie eine solche heute tragen?

Sommermode in Deutschland 1947
Sommermode in Deutschland 1947

Eine sehr schöne Sportjacke im Hollywood-Stil illustriert 1947 das deutschsprachige Magazin Der Herr. Typischerweise zweifarbig gehalten, und mit unterschiedlicher Musterung versehen könnte die Grafik durchaus einem amerikanischen Modemagazin entstammen. Nicht selten sind sie auch mit einem Stoffgürtel zu sehen.

Ebenfalls beachtenswert ist der Herr mit weißer Brille, sind solche farbenfrohen und breitgestreiften Hemden nicht allzu oft zu entdecken. Dazu trägt er eine blaue Bundfaltenhose mit sogenannten “hidden belt loops“, einem doppelten Bund bei dem der Gürtel inwändig läuft nur an der Vorderseite sichtbar ist. Ein sehr individuelles und schönes Detail!

Der Overall in der Herrenmode der 30er Jahre
Der Overall in der Herrenmode der 30er Jahre

Zum Abschluss eine weitere Seltenheit und heute gänzlich vergessen, der Overall. Was für Herren lediglich mit Arbeitskleidung in Verbindung gebracht wird, in der Damenmode immerhin noch ab und an als “Jump Suit“ gesehen wird, war in den 30er und 40er Jahren ein nicht untypisches Kleidungsstück für Sport und Freizeit. Neben des Overalls aus einem Stück gab es auch die Möglichkeit einer an die Hose anknöpfbaren Jacke. Ein ganz wunderbares Kleidungsstück mit einer sehr körperbetonenden Linie. Auch hier interessiert mich Ihre Meinung! Könnten Sie sich vorstellen so etwas zu tragen?

Sommermode bot und bietet auch heute noch eine sehr große Kleidungsvielfalt. Eine breite Palette an frischen Farben, lebhaften Musterungen und angenehmen, leichten Stoffen steht zur Auswahl, sowohl für den korrekteren oder legeren Aufzug. Accessoires wie der Hut, Gürtel, Socken oder Schals und Tücher kommen etwas mehr zur Geltung und bieten Spieltraum für individuelle Akzente, gleichfalls kommen diverse Schuhmodelle wortwörtlich “zum tragen“.

Hier finden Sie den englischen Artikel von Sven Raphael Schneider mit anderen Schwerpunkten und Erklärungen.

Ein Gedanke zu „Sommermode im Deutschland der 30er und 40er Jahre“

  1. Die Mode damals war so elegant! Davon kann sich die heutige Mode nur ein Scheibchen abschneiden. Ich dachte zu dieser Zeit waren Hosenträger auch sehr verbreitet, oder war dieser Trend nur in Amerika?
    MfG,
    Reinhart

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