King's Speech

The King’s Speech & His Clothes

Nach großer Vorfreude sahen wir uns kürzlich den Film The King’s Speech im Kino an. Er handelt von Prinz Albert, der später als Geroge VI gekrönt werden sollte, dessen Stottern und die Beziehung zu seinem australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue. Gespielt wurden die beiden Charaktere sehr eindrucksvoll von Colin Firth sowie Geoffrey Rush.

Film – The King’s Speech

Albert, von seiner Familie auch Bertie genannt, wird im Film als sehr nuancierter Charakter dargestellt, der zwischen königlicher Arroganz und kindlicher Hilflosigkeit hin und her pendelt. Sein choronisches Stottern und die daraus resultierende Angst vor öffentlichen Auftritten sowie sein Pflichtbewusstsein lassen ihn jedoch in einem sympathischen Licht erscheinen. Auf der Suche nach Abhilfe für seine Sprechstörung stößt seine Frau Elizabeth – ehemals  Elizabeth Bowes-Lyon aber heute besser als Queen Mum bekannt – auf Lionel Logue, einen Sprachtherapeuten der für seine unorthodoxen aber dennoch effektiven Heilungsmethoden bekannt ist. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten entwickeln die beiden Männer eine enge Freudschaft. Als Berties Bruder , der skandalöse Prince of Wales keinerlei Anstalten macht, seine Liaison mit der mehrmals verheirateten Wallis Simpson zu beenden, riskiert Logue fast die Freundschaft zu Prinz Albert, indem er ihn als Thronfolger ins Spiel bringt.

Kurz nachdem er König geworden war, und noch vor seiner Krönung, dankt Edward VIII in der Folge ab und trotz Bertie’s lähmender Angst vor öffentichen Auftritten, nimmt er die Rolle als britscher Thronfolger  George VI an. Da er sich fortan vor öffentliche Reden nicht mehr drücken kann, initiiert Geroge die Versöhnung der beiden Protagonisten und zusammen sind sie in der Lage die Rhetorik des Königs zu verbessern. Der Film ist durch seine zahlreichen komischen Szenen, in denen Logue Bertie z.B. fluchen- oder sich auf dem Boden kugeln lässt, sehr unterhaltsam.

Die Musik ist meist sehr gelungen und harmoniert wunderbar mit dem Film. Die wahrscheinlich wichtigste Szene im ganzen Film, des Königs erste Kriegsrede, wird durch den zweiten Satz von Beethovens 7. Symphonie musikalisch untermalt. Ironischer könnte die Musikwahl angesichts des Krieges gegen Deutschland wohl kaum ausfallen.

Des Königs Kleidung

Was die Kleidung anbelangt, so hatte wir uns eigentlich perfekt sitzende Anzüge sowie historisch korrekte Outfits versprochen. Leider enttäuscht der Film in dieser Hinsicht etwas. Während Logues Anzüge tadellos sitzen und zeittypisch geschneidert sind,  passen die Anzüge von Colin Firth alles andere als angegossen. In circa der Hälfte aller Szenen steht sein Sakko- bzw, Mantelkragen ein gutes Stück von seinem Hals ab, seine Frackweste ragt viel zu weit unter den Frackschößen hervor und generell scheint seine Garderobe nicht maßgeschneidert zu sein. Nun könnte man meinen, die nachlässige Kleidung sei bewusst so gewählt, um Berties inneres Befinden visuell zu unterstreichen. Jedoch auch nachdem er selbstbewusster geworden ist zeigt seine Kleidung oft die gleichen Mängel wie vorher. Im Kontrast dazu trägt sein Bruder Edward im Film eine tadellose Frackweste, wie es sich erwartungsgemäß für die Stilikone der damaligen Zeit gehört. Zwar stand George VI kleidungstechnisch klar im Schatten seines Bruders, jedoch war er de facto stets gut gekleidet und trug vorzüglich sitzende Anzüge.

Darüber hinaus stachen bestimmte Kleidungsstücke als zeituntypisch heraus. Insbesondere fiel uns das eine Outfit auf, in welchem George VI im Film neben einer Melone einen kamelfarbeneden, zweireihigen Paletot trägt, der mit einer eher schmalen 6×2 Knopfanordnung versehen ist und keine Ärmelaufschläge aufweist. Der Hemdkragen hält außerdem ausreichen Platz für den Krawattenknoten bereit. Im Vergleich hierzu ein Originalfoto von George VI ebenfalls mit Melone und kamelhaarfarbenem Mantel: Die Kassur, also Reversspiegelnaht bei der sich Kragen und Revers treffen, ist im Original viel höher angebracht. Der Kragen des Hemdes hat keinerlei Ausschnitt für den Krawattenknoten. Zudem weisen die Ärmel Umschläge auf und die Knopfanordnung des Mantels ist 4×2, wobei die Knöpfe horizontal sehr viel weiter auseinanderstehen als im Film. Geroge VI werden höchtwahrscheinlich eine Reihe kamelfarbener Mäntel zur Verfügung gestanden haben, allerdings waren in den 30ern Faktoren wie die Höhe der Kassur sowie der Abstand zwischen den Knöpfen ziemlich einheitlich.

Buch – How One Man Saved the British Monarchy

Erst letztes Jahr fand Mark Logue, der Enkel von Lionel Logue die Schätze seines Großvaters. Darunter befanden sich zahlreiche Notizen, Briefe, Aufzeichnungen von Gesprächen zwischen Bertie und seinem Therapeuten, Bilder usw. Diese verhalfen der Filmcrew einige Dinge im Skript zu korrigieren. Außerdem wurden diese Materialien in ein Buch verarbeitet, welches erst Ende November 2010 unter dem Titel The King’s Speech: How One Man Saved the British Monarchy erschien. Für knapp 12 € ist diese englische Buch auch in Deutschland erhältlich.

Zusammenfassung

Insgesamt war der Film unterhaltsam und gut gemacht, wobei unsere zugegebenermaßen hohen Erwartungen and zeittypisch gut sitzende Kleidung nicht immer erfüllt wurden.

Trailer

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=OAm7gRXFiRo[/youtube]

Das Originalbild von George VI stammt von Crombie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.