Der Turfsakko – Apparel Arts 1939

Nachdem wir vor nicht allzu langer Zeit über Schuhe für fast jede Gelegenheit gesprochen haben, möchte wir diesen Beitrag heute fortführen, indem wir auf die Frühjahrsmode von 1939 schauen, wie sie in Apparel Arts abgebildet wurde. Genauer gesagt, wollen wir uns den Turfanzug anschauen, welcher aus dem Turfsakko und einer Hose besteht und und sowohl in der Stadt, als auch auf dem Land zu Hause ist.

Turfsakko – Paddock coat – von Robert Goodman

Die folgende Zeichnung stammt von Robert Goodman, einem geschätzten Modezeichner der 30er Jahre, welcher öfter in der Zeitschrift Apparel Arts Zeichnungen veröffentlichte. Im Jahre 1939 ging die Mode dahin, auch der Stadtkleidung gewisse Charakterzüge der sportlichen Kleidung mitzugeben, und so sah man zum Beispiel Anzüge in Brauntönen, Accessoires in auffallenderen Farben sowie braune Schuhe in neunen Formen.

Der Herr im Bild trägt einen einreihigen, braunen Kammgarnanzug mit breiten Kreidestreifen, welcher auf zwei Knöpfe geschlossen wird. Dem ein oder anderen wird das ein wenig abwegig vorkommen, schließlich ist es doch Usus, den untersten Knopf eines Sakkos stets offen zu lassen. Auch wenn dies in der Regel stimmt, so haben wir es hier mit einer Ausnahme zu tun. Wenn Sie sich den Schnitt dieses Sakkos genauer ansehen, so können Sie erkennen, dass der untere Schließknopf verhältnismäßig weit oben sitzt und auf Taillenhöhe angebracht wurde. Der obere Schließknopf befindet sich schon fast auf Höhe der Brusttasche. Angesichts dieser Verschiebung nach oben macht es durchaus Sinn, auch den untersten Knopf zu knöpfen. Diese Art von Sakko traf man in Deutschland erstmalig im Jahre 1938 an und auch im Ausland kam zu etwa dieser Zeit dieser sogenannte Turfsakko auf. Turf deshalb, da der Schnitt in Ansätzen dem eines Reitanzuges gleicht, und alles was in der Kleidung mit Pferderennen zu tun hat mit dem Zusatz Turf versehen wird. Auch im Englischen ist diese Herkunft in die Bezeichnung eingeflossen. Dort hört der Turfsakko auf den Namen Paddock Coat, was im Deutschen soviel wie Führring Sakko bedeutet.

Für gewöhnlich hat der Turfsakko einen Mittelschlitz, jedoch sieht man ihn manchmal auch mit Seitenschlitzen. Die beiden Frontknöpfe werden stets geschlossen und der nach oben verlagerte unterste Knopf sorgt für ein elegantes Erscheinungsbild, da es den Träger optisch größer wirken lässt. Gleichzeitig kann man hier gut auf eine Weste verzichten, da man von ihr ohnehin nur wenig sehen würde, schließlich sind auf die Revers, sowie der Kragen nach oben versetzt worden. Auf dem Rücken hat ein Turfsakko in der Regel etwas Drape was für mehr Bewegungsfreiheit sorgen soll. Die Manschette weißt stets 4 Knöpfe auf, und optional lässt sich auch, wie im Bild der Fall, ein Umschlag anbringen. Die Taschen, inklusive der obligatorischen Ticket Tasche, weisen alle jeweils eine Patte auf. Manchmal ist der Abstich auch recht gerade gehalten.

In der obigen Zeichnung wurde der Turfsakko mit einer passenden Hose mit Umschlägen kombiniert. Die Ärmel liefen sehr schmal aus, und zum braunen Anzug wurde ein elfenbeinfarbiges Hemd gewählt, welches eine weichen Umlegekragen aufweist. Für damalige Verhältnisse war das im Vergleich zu den sonst gestärkten weißen Krägen eine kleine Revolution – heute ist es dagegen der Standard. Die Krawatte hat ein Spitalfields Muster und eine durchgehend einheitliche Breite, wie es damals gerade in Mode kam. Das ganze Outfit wird von einem grünen Haarhut, einer roten Nelke im Knopfloch sowie braunen Monks abgerundet.

Das schöne an dem Turfsakko ist seine Vielseitigkeit, welche ihn auch noch heute zu einem idealen Kleidungsstück werden lässt. Einerseits hat der Sakko vier Ärmelknöpfe, welche traditionallerweise nur bei der Stadtkleidung sowie der formellen Kleidung zum Einsatz kamen. Andererseits hat der Anzug fallende Revers und Pattentaschen was kostümgeschichtlich ein Merkmal der ländlichen Kleidung war. Da der Turfsakko beide Welten kombinierte, war er auch schon damals ein idealer Anzug für fast alle Gelegenheiten und auch heute hat sich an dieser Tatsache nichts geändert.

Es lässt sich also festhalten, dass der Turfsakko sehr praktisch ist, was gerade auf Reisen mit begrenztem Gepäckvolumen von Vorteil sein kann.

Eigenschaften des Turfsakkos

Zusammenfassend wollen wir hier noch einmal die wesentlichen Merkmale eines Turfsakkos aufzählen:

  1. Durchgehend geschlossene Zweiknopffront
  2. Unterster Schießknopf liegt auf Taillenhöhe bzw. leicht darunter oder darüber
  3. 2 Pattentaschen sowie 1 Ticket Tache, ebenfalls mit Patte
  4. 4 Ärmelknöpfe und optional einen Ärmelumschlag
  5. Auf dem Rücken über den Schulterblättern etwas Drape

Wenn Sie das nächste Mal Ihren Schneider aufsuchen, sollten Sie also darüber nachdenken, sich vielleicht ein Turfsakko anfertigen zu lassen. Ich bin mir sicher Sie werden viel Verwendung dafür haben und die Anschaffung nicht bereuen.

2 Gedanken zu „Der Turfsakko – Apparel Arts 1939“

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