Whisky-Probe-Grundlagen

Die Grundlagen der Whiskyprobe

Vor ein paar Wochen schrieb ich bereits über mein Treffen mit John Glaser, dem Gründer von The Compass Box Whisky Company. Damals bekam ich ein Set fünf verschiedener Whiskys und nachdem ich alle an einem Abend verglichen habe, möchte ich Ihnen morgen meine Eindrücke von dieeser Whiskyprobe schildern. Heute möchte ich Ihnen jedoch die Grundlagen der Whiskyprobe näher bringen, die Sie auf alle Whiskys anwenden können.

Grundlagen der Whiskyprobe

Ardbeg & BenRiach Whisky
Ardbeg & BenRiach Whisky

Zuallerst brauchen Sie natürlich einen Whisky. Wie beim letzen Mal erwähnt, sind m.E. Whiskys aus der einer kleinen handwerkliche Produktion in der Regel solchen aus der Großserienproduktion vorzuziehen. Genauer gesagt sollte der Alkoholgehalt zwischen 43% und 46% Vol. (Cask Strength) liegen, nicht kalt gefiltert (non-chill filter) sein und auch keine Karamelfarbe E150a enthalten.

Oftmals produzieren die sogenannten Unabhängigen Abfüller Whiskys nach alter Handwerkstradition, während das bei großen Marken nicht der Fall ist. Diese kleinen Hersteller wählen bestimmte Whiskys von einzelnen Brennereien aus und füllen diese je nach den verfügbaren Mengen ab. Manchmal kommen dabei Whiskeys eines ungewöhnlichen Alters auf den Markt, oder das Holz der Fässer wurde besonders behandelt und in aller Regel kommen diese in Cask Strength (46% Vol.) daher. Manche Hersteller wie z.B. die recht bekannten Ardbeg und BenRiach haben sich darauf spezialisiert wirklich nur die allerbesten Whisky Qualitäten anzubieten. Keiner dieser beiden Whiskys hat auch nur einen Tropfen künstlicher Farbstoffe und haben einen Alkoholgehalt von 46% Vol. und sind sehr aromatisch.

Kalt-Filtern von Whisky

Whisky vor der Zugabe von Eiswasser
Whisky vor der Zugabe von Eiswasser

Das Kalt-Filtern von Whisky ist ein Filterungsprozess bei dem der Whisky auf 0°C bis -4°C abgekühlt wird. Diese Art von Filterung wird überhaupt nur dehalb angewendet, um einen optisch stets klaren Whisky zu erhalten. Durch das Abkühlen binden sich die manchmal leicht trübenden, natürlichen, aus Korn stammenden Fettsäuren, Proteine und Ester , sodass sie herausgefiltert werden können. Nicht Kalt-gefilterter Whisky filtert dagegen nur Kohle und Holzpartikel, während die natürlichen Stoffe erhalten bleiben. Manche sind nun der Auffassung, dass eine Kaltfilterung den Geschmack des Whiskys nicht beeinflusst, und den der Whisky nur klarer und besser wird. Fettsäuren sind jedoch nachweislich Geschmacksträger und durch das Herausfiltern beraubt man den Whisky um gewisse charakteristische Aromen.

Whisky nach der Zugabe von Eiswasser
Whisky nach der Zugabe von Eiswasser

Wenn Sie normalerweise Wasser in ihren Whisky geben (dazu im Detail später mehr), würde ich Ihnen ungekühltes Wasser empfehlen. Um Ihnen jedoch zu verdeutlichen wie sich die Aromastoffe bin und den Whisky trüben, habe ich diesmal Eiswasser benutzt. Im Bild können Siedie Trübung gut erkennen, die auch manchmal chill haze oder Scotch Mist genannt wird. Manche sind der Auffassung, dass ein klarer Whisky einem trüben vorzusiehen sei , aber glauben Sie mir – alles was Sie hier sehen ist Aroma pur.

Das Glencairn Whisky Glas

Nachdem Sie also ihre Whiskys zusammengestellt habe, brauchen Sie im nächsten Schritt ein Whisky Glas. Es mag für manche recht männlich wirken, wenn sie im großen, reichlich verzierten Bleikristall Lowball ihren Whisky schwenken, aber hinsichtlich der Entwicklung des Whisky Aromas ist die ähnlich schlecht wie ein Plastikbecher. Stattdessen kann ich Ihnen jedoch voller Überzeugnung, das kleine Whisky Glas von Glencairn empfehlen. Es wurde in Zusammenarbeit mit der Scoth Whisky Industire entwickelt und durch seine Öffnung hilft es dem Whisky sein Aroma bestmöglich zu entfalten. Ein Set von 6 Gläsern ist bei einem Preis von 35,99 EUR zudem auch erschwinglich. Wenn Sie aber gerade kein Whisky Glas zur Hand haben, dann tut es ersatzweise auch ein Weißweinglas oder eine Sherryglas.

Whisky, Wasser & der Kaffeelöffel

Whisky, Whiskyglas von Glencairn, Wasser & Kaffeelöffel
Whisky, Whiskyglas von Glencairn, Wasser & Kaffeelöffel

Abgesehen von einem kleinen Whisky Glas sollten Sie auch ein kleines Glas Wasser und einen Kaffeelöffel bereithalten. Je hochprozentiger der Qualitätswhisky, desto mehr Aroma wird in der Regel zurückgehalten. Bei 45% Vol. und mehr übertönt der leicht brennender Alkohol einfach viele Geschmacksnoten. Wenn man jedoch ein klein wenig Wasser hinzugibt, dann entfaltet sich das Aroma im Glas, sodass Sie nicht nur mehr riechen, sondern auch mehr schmecken können.

Für beste Geschmackserlebnisse sollten Sie daher ca. 30ml Whisky in ihr Glas füllen (beim Glencairn bis zur Mitte des Bauches) und es danach ein paar Minuten an stehen lassen. Whisky ist in der Flasche wenig Sauerstoff ausgesetzt und deshalb muss er im Glas ersteinmal atmen, ähnlich wie das z.B. auch bei Rotwein der Fall ist.

Das Riechen des Whiskys

Nachdem der Whisky also ausreichend lange im Glas gestanden hat, können Sie ihn jetzt riechen. Sie sollten wirklich nicht tief inhalieren, da sonst der Alkohol ihr Naseninnenleben überwältigt. Bewegen Sie das Glas einfach in sanften Zügen um ihre Nase herum und schnuppern sie daran. Zwei bis dreimal ist am besten, denn Sie werden merken mit jedem Mal werden Sie mehr riechen. Manchmal Sie von Whiskykenner wie sie gekonnt den Whiskey im Glas kreisen lassen. Wenn Sie einen fortgeschrittenen Gaumen und Geruchssinn haben, dann kann dies den Whisky stärker oxidieren und in kürzester Zeit noch mehr Aroma freisetzen, aber als Anfänger braucht Sie das noch nicht zu kümmern, da dies wohl nur eine Reizüberfluting für Ihre Nase nach sich ziehen würde.

Whisky Glas, Alternativen & Lowball Glas
Whisky Glas, Alternativen & Lowball Glas

Das Probieren des Whiskys

Nachdem wir also den Whisky gerochen haben, steht nun die Geschmacksprobe an, auf die wir so lange gewartet haben: Nehmen Sie ein kleines Schlückchen Whisky und lassen Sie ihn ein paar Sekunden auf ihrer Zunge verweilen bevor Sie ihn durch ihren Mund kreisen lassen und dabei einatmen. Danach können Sie ihn schlucken und den Geschmack bewerten.

Wenn Sie also den Whisky ohne Wasser probiert haben, sollten Sie jetzt ein klein bißchen Wasser hinzufügen. Ein paar kleine Tropfen sind wirklich genug. Manche greifen sogar zur Pipette, denn sonst laufen sie Gefahr den Whisky zu ertränken. Ist der Whisky einmal mit zuviel Wasser verdünnt worden, ist er unbrauchbar. Auch durch das Nachschenken von neuem Whisky aus der Flasche können Sie ihn nun nicht mehr retten. Seien Sie also vorsichtig mit dem Wasser, und spielen Sie mit ihm in ihrem Mund wie bereits oben beschrieben. Sie werden merken, wie sich der Whisky mit zunehmender Zeit im Glas geschmacklich verändert – und da beginnt dann der ganze Spaß!

Fazit

Nun sind Sie also theoretisch für Ihre erste Whiskyprobe gerüstet! Morgen werde ich ihnen einen kurzen Bericht über die Probe von fünf verschiendenen Whiskys aus dem Hause The Compass Box Whisky Company nachreichen!

 

 

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5 Gedanken zu „Die Grundlagen der Whiskyprobe“

  1. Ich finde es erstaunlich, dass an dieser Stelle noch niemand gegen die Aussage Einspruch erhoben hat, dass 46 vol-% „cask strength“ sein sollen.
    Ein kurzes Zitat von http://www.whisky.de:
    „Viele Malt Whiskys nehmen für sich das Attribut Fassstärke „Cask Strength“ in Anspruch, obwohl sie bereits leicht verdünnt wurden. So tragen viele, junge Fassstärke-Whiskys namhafter Brennereien den Zusatz Cask Strength, obwohl sie nur mit 57,3% oder noch darunter abgefüllt sind. Malt Whisky wird regelmäßig mit 63,5% in Fässer gefüllt und reift anschließend mit leicht unterschiedlicher Verdunstung pro Fass…“
    Freundliche Grüße
    Gerd Bergmann

  2. Ist ganz nett für den Einstieg, aber zu den Abfüllungen fachlich nicht ganz richtig. „Cask Strength“ bedeutet eine Abfüllung in Faßstärke, die kann ganz grob zwischen 50 und 60 % schwanken, je nach Alter Faß usw. Ein CS sollte man immer mit stillem Wasser auf unter 50% reduzieren. Einstiegsabfüllungen der Brennereien haben meist eine Stärke von 40%, qualitativ höhere Whiskys dann 43 oder 46%, die aber auch schon mit Wasser auf diesen Alkoholgehalt reduziert sind. Brennereiabfüllungen und die unabhängiger Abfüller muß man sehr differenz bewerten und kann man nicht so einstufen, wie beschrieben. Die Aussagen zu Ardbeg bzw BenRiach klingen ein wenig nach PR. Es gibt auch sehr hochwertige Whiskys, die immer noch gefärbt werden. Die Farbe hat auch keinen Einfluß auf den Gesachmack. Der Trend geht allerdings bei guten W. immer mehr zu ungefärbten und nicht kühlgefilterten Whiskys hin. Ist kein Farbstoff vorhanden, läßt die Farbe schon viele Rückschlüsse auf das Alter und das Fass zu, in dem der Whisky reifen durfte. In den letzten Jahren werden auch verstärkt Abfüllungen auf den Markt gebraucht, die z.B. anfangs im Bourbon-Fass reiften und dann in anderen Fässern (z.B. Sherry, Portwein, Rotwein, Rum) nachgereift sind. Insgesamt hat das Faß mindestens den halben Anteil am Geschmack des Whiskys …

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