Buttonhole 1820 Italy

Wie das Knopfloch ins Revers kam

Vor geraumer Zeit hatten wir uns schon einmal ein wenig mit dem Boutonniere, der Knopflochblume beschäftigt. Dabei ging es einerseits um das Boutonniere und Knopflochvasen und außerdem veröffentlichte ich eine Anleitung über das Anbringen eines Blumestegs auf der Rückseite des Revers.

Victoria And Albert Hochzeit 1840
Victoria And Albert Hochzeit 1840

Nun las ich kürzlich in einem Artikel, dass das Reverknopfloch für die Blume angeblich von Prinz Albert an seinem Hochzeitstag 1840 erfunden wurde. Da ich hierfür jedoch keinerlei historische Nachweise finden konnte, befasste ich mich etwas genauer mit dem Thema. Heute geht es also darum, wie das Reversknopfloch ins Revers kam und nächste Woche werden wir Ihnen weitere Ausführungen zum Thema Boutonniere präsentieren.

Die Geschichte des Reversknopflochs

Auch wenn das den ein oder anderen überrascht, so waren auch vor einigen Jahrhunderten Blumenschmuck keineswegs auf das weibliche Geschlecht beschränkt. Als z.B. der Französische Charles VIII im Jahre 1494 in Neapel eintraf, fertigten ihm einige Frauen einen Blumenkranz, den der stolz auf dem Kopf trug. Um 1740 wurden Blumengärten populär und so fand man auch Blumenmuster in der Herrenkleidung. Der Maler Thomas Gainsborough fertigte 1771 ein Portrait von Captain William Wade aus Bath in England an, in welchem dieser mit einem Boutonniere im Knopfloch zu sehen ist. Wie Sie im Bild erkennen können, gab es zu dieser Zeit noch keine fallenden oder spitzen Revers. Circa eine Dekade später fand man dann Herren in einer Redingote (einem Reitrock) bei dem der Kragen umgeschlagen war, was einem Revers schon sehr ähnlich sah.

Die Hochzeit von Königin Viktoria und Prinz Albert

Reenacted Wedding 1854 without Boutonniere
Reenacted Wedding 1854 without Boutonniere

Als Königin Viktoria ihren Cousin Franz August Carl Albrecht Emanuel von Sachsen-Coburg und Gotha am 11. Februar 1840 in der Chapel of St. James heiratete, trug er ein bis oben hin geknöpfte, zweireihige Uniform ohne Revers. Da die Photografie zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen steckte, wiederholte das Paar die Hochzeitszeremonie 1854 – diesmal jedoch mit Photographen! Zwar kann man Sie deshalb als die Urväter der Hochzeitsphotographie ansehen, jedoch trug Albert weder bei der ersten, noch bei der zweiten Hochzeit ein Boutonniere und außerdem hatte seine Uniform weder ein Revers noch ein Reversknopfloch – aber schauen Sie sich die Bilder am besten selbst an.

Boutonnières im 19. Jahrhundert

Bertie Edward VII in Tweedside Anzug mit Ghillie Collar
Bertie Edward VII in Tweedside Anzug mit Ghillie Collar
Italienischer Herr mit Boutonniere um 1820
Italienischer Herr mit Boutonniere um 1820

Schon lange vor der Hochzeit von 1840 gab es Herren mit einem Boutonniere im Knopfloch. Neben William Wade schmückten sich zum Beispiel auch ein Italienischer Herr mit einer Blume im Knopfloch und der Englische Gentleman trug ebenfalls ein Boutonniere im Knopfloch.

Um 1830 setzte sich der Gehrock durch, welcher wohl von Militäruniformen abstammt, was sich an seiner zweireihigen, hochgeschlossenen Fasson festmachen lässt. Im Jahre 1838 soll sich Barbery d’Aurevilly gesagt haben:”Ich opfere meinem Knopfloch jeden Abend eine Rose”-„Rosen sind die Ritter des Ordens und dienen dem König Natur“.

Captain William Wade-1771 mit Boutonniere
Captain William Wade-1771 mit Boutonniere
Gentleman mit Boutonniere im Knopfloch Mit 19. Jahrhundert
Gentleman mit Boutonniere im Knopfloch Mit 19. Jahrhundert

Etwa zwei Dekaden später entwickelte sich dann der sogenannte Deeside– oder Tweeside Coat, welcher den Ghillie Collar aufwies. Dieser Kragen ist dem eines heute üblichen Hemdenkragens sehr ähnlich und wurde bis ganz oben geschlossen. Um jedoch den Hemdenkragen sowie die Krawatte besser präsentieren zu können, wurde der oberste Knopf bald offen gelassen und der überschüssige Stoff umgeklappt. Auf der rechten Seite zeigte der Knopf also auf das Schlüsselbein und auf der linken Seite sah man das Knopfloch nun von der Innenseite. Auf diese Weise entstand also das fallende Revers, welches bis heute existiert.

Trenchcoat mit Ghillie Collar und verdeckter Knopfleiste
Trenchcoat mit Ghillie Collar und verdeckter Knopfleiste

Schauen Sie sich das Bild von Edward VII an, wie er seinen Tweedside Coat mit offenen Kragen trägt – es handelt sich um ein kleines, fallendes Revers. Heute findet man den Ghillie Collar noch bei einreihigen Trenchcoats, bei dem auch durch das umklappen der Knopfleiste ein Revers entsteht.

Anmerkungen zu Prinz Albert

Die Bilder belegen eindeutig, dass Prinz Albert kein Boutonniere bei seiner Hochzeit trug. Darüberhinaus muss zudem erwähnt werden, dass er nie für sartorielle Erfindungen berühmt war und nicht im Ansatz so an seiner Kleidung interessiert war, wie sein Sohn, der spätere Edward VII.

Prince Albert Uhrenkette von John Jabez Edwin Mayall
Prince Albert Uhrenkette von John Jabez Edwin Mayall

Den einzigen, nachhaltigen Beitrag zur Kleidungskultur leistete Albert indem er die nach ihm benannte Taschenuhrenkette für die Weste popularisierte. Am einen Ende der Kette wurde die Taschenuhr befestigt. Wenn die Uhr dann in der Tasche war, befestigte man die Kette mit ihrem T-förmigen Steg in einem Knopfloch in der Mitter der Weste, sodass die Kette in einer schönen Kurve in der Westentasche verschwand. Üblich sind zwei Varianten dieser Kette: zum einen gibt es eine einzelne Kette und zum anderen eine Kette mit zwei Enden. Von der Mitte ausgehen hängt letztere in einer Kurve auf jede Seite herunter. Außerdem findet man manchmal noch eine Variante mit drei Ketten, wobei die mittlere Kette mit einem Zierelement bestückt ist, welches in der Mitte der Weste baumelt.

Prince Albert Uhrenkette
Prince Albert Uhrenkette

Abgesehen davon soll Albert zur Jagd gerne scharlachrote Stiefel getragen haben.

Wie dem auch sei – in jedem Fall war er nicht der Erfinder des Knopflochs im Revers.

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, werden Ihnen sicher auch die Erläuterungen über den untersten Westenknopf gefallen.

Das Bild vom Trenchcoat stammt von Traditional Rainwear und das Bild der Prinz Albert Uhrenkette stammt von einer unbekannten Quelle.

 

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